Schützenmattstrasse 37 - CH-4051 Basel - 079 315 29 41 - Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!


Spats & Gamaschen im Wandel der Zeit

erstellt am 15.Februar 2017

Wer im Volksmund von Gamaschen spricht, meint im allgemeinen Schuhüberzieher, vorzugsweise in Weiss, die wir aus den 20er und 30er Jahre Gangsterfilmen kennen. Eine der bekanntesten Rollen mit dem passenden Namen hatte Spats Colombo (Gamaschen Colombo), gespielt von Georg Raft im Filmklassiker Some Like It Hot aus dem Jahr 1959 mit Marilyn Monroe, Tony Curtis und Jack Lemmon.

Spats und Gamaschen im Wandel der Zeit_1

Gamaschen sind in der Deutschen Umgangssprache aber auch jene Beinüberzieher, welche Soldaten in unterschiedlichen Formen im 17. bis 20. Jahrhundert über ihr Beinkleider zogen oder wickelten, um ihr Hosen vor Schmutz zu schützen.

Im englischen haben jedoch diese beiden Modelle, welche kurz und unter der Hose getragen werden und jene der Soldaten, die über die Hose getragen wurde eine unterschiedliche Bezeichnung. So spricht man im englischen bei den kurzen Modellen von Spats. Von den über den Hosen getragenen von Gaiters. Zur einfacheren Verständlichkeit sprechen wir im folgenden Abschnitt von diesen beiden Modellen.
Spats gehörten im späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts zum klassischen Männer-Schuhwerk. Aber auch Frauen, auch wenn weit weniger häufig, trugen diese Spats. Spats hatten den praktischen Zweck, Schuhe und Socken von Schlamm oder Regen schützen. Aber dieses Schuhwerk diente auch als ein Merkmal des stilvollen Kleides in Übereinstimmung mit den Moden der Zeit. Das Tragen von Spats wird oft als symbolischer Akt verwendet, um Reichtum, Exzentrizität oder beides darzustellen.
Vor allem in England wurden die Spats im Adel bis hin zum König getragen. Als König George V 1926 von einem Tag auf den anderen aufgehört hatte, Spats zu tragen, rief das eine heftige Reaktion hervor. Der Boden unter den Hecken war übersäht mit weggeworfenen Spats.

Spats und Gamaschen im Wandel der Zeit_2

Der wahrscheinlichste Grund, weshalb die Spats verschwunden sind, dürfte in erster Linie an der Art der Vorbewegung und der allgemein bessere Zustand der Strasse gewesen sein. Durch den Ersatz von Pferden durch Autos und durch die Verwendung von Asphalt und Beton - es war einfach viel weniger Dreck und folglich viel weniger Bedarf an "Spatterdashes". Obwohl einige ältere Herren Spats bis in die 1950er Jahre als Teil ihrer Geschäftskleidung trugen, ist seit dem Zweiten Weltkrieg das Tragen von Spats in England auf Veranstaltungen wie das Royal Enclosure in Ascot oder sehr schicke private Hochzeiten beschränkt.
 

Das Tragen von Spats durch fiktive Figuren wie Agatha Christies Hercule Poirot, P. G. Wodehouse's Bertie Wooster, oder Dorothy Leigh Sayers Lord Peter Wimsey, sollen vor allem die konventionelle Natur der Charaktere unterstreichen. Sie sind allesamt elegante und wohlhabende Herren der Zeit; Es wäre seltsam, wenn sie keine Spats getragen hätten.

Auch in der Welt der Spiele und Kindertaschenbücher sind heute noch Spats zu finden. So trägt Walt Disneys Dagobert Duck blaue Spats, sowie auch die Titelfigur von Monopoly, Rich Onkel Pennybags.  
Zusammen mit weissen Handschuhen und einem Monokel sind Spats Teil des symbolischen Bildes, welches Reichtum und Exzentrizität auf keine andere Art und Wiese zeigt.

Als Kontrast dazu stehen Gaiters. Diese in vielen unterschiedlichen Formen, Farben und Materialien vor allem beim Militär zum Einsatz gekommenen Teile, gab es zum binden (Wadenbinden oder Wickelgamaschen) oder zum zuknöpfen. Wadenbinden werden übrigens im englischen Puttie genannt. Aber auch im Zivilen kamen Gaiters zum Einsatz, meist für die Jagd.

Spats und Gamaschen im Wandel der Zeit_3

Zivile Gaiters für die Jagd

Die im 17. und 18. Jahrhundert verwendeten Gaiters wurden meist bis übers Knie getragen, was zur Folge hatte, dass diese zum einen an der Hose festgeknöpft werden mussten oder mit einem Lederband unter dem Knie fixiert wurden, damit diesen nicht hinunterrutschen konnten.
 
Napoleonische Gaiters hielten u.a. mit einem Lederband, welches unter dem Knie montiert wurde.
 
Weisse Gaiters der Schottischen Truppen mit den charakteristischen Socken aus der Zeit um 1890.
 
In der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts kamen bei den Britischen Truppen, welche in Indien stationiert waren zum ersten Mal Wickelgamaschen zum Einsatz. Diese waren vor allem Kostengünstig. Gemäss dem britischen Autor und Soldaten Patrick Leigh Fermor wickelten dabei Fusssoldaten die Gamaschen vom Knöchel zum Knie und die Kavallerie vom Knie zum Knöchel. In der Folge wurden die Puttie's von den Armeen des britischen Commonwealth, Österreichisch-Ungarn, Chinas Nationalen Revolutionären Armee, Belgiens, Hollands, Frankreichs, Japans und Italien eingesetzt. Weitere Armeen folgten während des 1. Weltkrieges.
 
Wadenbinden, resp. Wickelgamaschen (Putties) des deutschen Kaiserreiches Links und des britischen Commonwealth Rechts.
 
Schweizer Gamaschen der Ordonnanz 1898 mit Hornknöpfen.
 
In den Zwischenkriegsjahren wechselten viele Länder wieder auf Gaiters zurück, da es vermehrt medizinische Vorbehalte bezüglich Hygiene und Krampfadern gab.

Viele Armee wechselten auf Gaiters zum Knöpfen oder Schnüren. 

Spats und Gamaschen im Wandel der Zeit_6   Spats und Gamaschen im Wandel der Zeit_7

Links: USAmerikanische M1938 Canvas Leggins von 1943. Rechts: Deutsche Segeltuchgamaschen, wie diese während des 2. Weltkrieges ausgegeben wurden und fast unverändert bis in die 1960er Jahre bei der Bundeswehr zum Einsatz kamen.

Spats und Gamaschen im Wandel der Zeit_8   Spats und Gamaschen im Wandel der Zeit_9

Links: Britische 1937 Pattern Web Gaiters. Rechts: British WW2 Auxiliary Territorial Service Brown Leather Gaiters.