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Schweizer Patronentasche 19. Jahrhundert

Das die Schweizer Armee nichts weggeworfen hat, was noch irgendwie zum Einsatz gebracht werden konnte, ist weithin bekannt. So wurden u.a. Steinschlossmusketen aus französischen Beständen mehrfach umgebaut. Von Steinschloss auf System Perkusion und in den späten 1860er Jahren sogar noch auf System Milbank-Amlser.

Patronentasche 1842_1

Patronentasche Ordonnanz 1842

Ähnlich erging es auch den dazu passenden Patronentaschen, welche mehrere Jahrzente im Einsatz waren. Die Patronentaschen der Napoleons Truppen standen dabei, wie so oft, Pate für die Form der Schweizer Modelle. Da viele der ersten Patronentaschen für die Steinschlossmusketen aus den Beständen des französischen Heeres stammten, war es naheliegend, dass die für die kantonalen Truppen hergestellten Patronentaschen die selben Masse aufwiesen. Auch wenn die Aussen-Masse leicht varrieren, so wurden die meisten in der Grösse von 21 x 26,5 cm produziert.

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Blick in das Innere der Patronentasche. Die kleinen Taschen beinhalteten Werkzeug, sowie zu Steinschlosszeiten einen oder zwei Ersatzsteine.

Im laufe der Jahre wurden die Patronentaschen immer wieder den aktuellen Waffensystemen angepasst. So erhielten die Bandouliere bei der Einführung des Infanteriegwehres 1842 eine Zündhütchentasche mit Räumnadel. In Kantonen die den Säbel abgeschaft und den Soldaten nur noch mit einem Bajonett ausgerüstet hatten, nahm man das Bandoulier auf der Gegenseite. So wurde die Bajonettscheide kurzerhand an der Patronentasche oder an dessen Bandoulier angenäht. Die Verbindungsschlaufe, welche ursprünglich die beiden Bandouliere (Patronentasche und Säbel) beim Marsch zusammenhielt, wurden nur zum Teil abgeschnitten. Ab 1858 kam im grossen Stil die farbliche Verändungen. Die weissen Bandouliere, welche man durch eine Tinktur aus Pfeiffenerde Jahrelang weiss gehalten hatte, wurden kurzerhand eingeschwärzt. 

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Zündhütchentasche mit Kette und daran angebrachter Räumnadel. Im Innern der kleinen Tasche befindet sich ein kleines Stück Fell. Dieses soll verhindern, dass bei offener Tasche Zündhütchen harausausfallen können.

Das hier gezeigte Modell stammt gemäss der Stempel noch aus französischen Beständen undkam, dem Stempel auf dem Bandoulier zu urteilen, 1828 im Kanton Solothurn zum Einsatz. Nach 1842 wurde die Zündhütchentasche sowie der Frosch für das Bajonett angebracht. Ob das Bandoulier jemals auch eingeschwärtzt wurde, lässt sich nicht restlos klären, aber auch nicht ausschliessen.

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Nach 1842 angebrachter Bajonettfrosch.

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Blick unter die Tasche. Die Bandouliere konnten demontiert werden und somit in der Länge verstellt werden. Das Lederstück auf der Rechtren Seite stammt noch aus der Zeit, als die Bandouliere der Patronentasche und des Säbel gekreuzt getragen wurden.

Mit der Einführung der ersten gesamtschweizerischen Ordonnenz 1861 war auch die Zeit der umgehängten Patronentaschen gezählt, auch wenn diese noch einige Jahre in den Zeughäusern als Reserve gelagert wurden.

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