Historische  Beratung
Pat  Schlenker
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Spurensuche - Love Letters from Calcutta

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Einleitung

Im Frühling 2013 kaufte ich von einer unbekannten Person über EBAY einen grösseren Konvolut aus Briefen und anderen Dokumenten. Die Liebesbriefe stammten allesamt von einem Corporal der britischen Royal Air Force, welcher seiner Freundin, einer britischen Krankenschwester geschrieben hatte. Beide waren während des 2. Weltkrieges im damaligen Indien stationiert.

Lange Jahre lagen diese Briefe bei mir in meiner Sammlung. Zwischendurch nahm ich die Briefe hervor und lass einige davon. Immer mal wieder nahm ich mir vor, den genaueren Umstände der beiden nachzugehen um zu erforschen, was aus den beiden geworden ist. Danach schlummerte der kleine Schatz, zusammen mit dutzenden anderen historischer Dokuemze in einer britischen Munitionskiste, bis ich die Briefe im Frühling 2020 beim einräumen meines neuen Lagers wieder zur Hand nahm. 

Love Letters_2

Es dauerte einige Wochen, bis ich alleine die 96 Lieberbriefe gescannt und sortiert hatte. Die Recherchen zogen sich hin und auch die gängigen Plattformen wie Forces War Records halfen mir nicht weiter. Erst eine Anfrage beim Margates Sea Bathing Hospital, wo die Krankenschwester Phyllis Hilda Dann ihre Ausbildung begann und verschiedene recherchen auf Ancestry.co.uk brachten den Durchbruch, als ich dort via eines Cousine mit dem jüngsten Bruder des Verfassers der Liebesbriefe in Kontakt treten konnte.

Was ich gefunden habe ist eine wundervolle Liebesgeschichte zwischen zwei Menschen, die in einer dunkeln Zeit begann, hunderte von Kilometern getrennt und tausende von Kilometern von zu Hause und leider viel zu früh in England endete. 

Dies ist die Geschichte von Nurse Phyllis Hilda Dann P/306660 und Lance Corporal Keith Bernard Emile Ralph Phillips 771539

Keith Bernard Emile Ralph Phillips

Keith Bernard Emile Ralph Phillips

Keith Bernard Emile Ralph Phillips in der Uniform eines Lance Corporals der Royal Air Force - Foto Derrick Phillips

Keith Bernard Emile Ralph Phillips, wurde als ältester Sohn von Emile Peter Marie Phillips (*1889-†1974) und Merle Ida Mimmie Agnes Watts (*1899-†1966) am Donnerstag, den 16. Juni 1921 im Stadtteil Colaba in der Hafenstadt Bombay, dem heutigen Mumbay, geboren. Ihre Eltern waren seit dem 2. Juni 1919 verheiratet. Am 13. Juli 1921 wurde Keith von Pater William Bennett, SJ, Kaplan, im Kloster von Jesus und Maria an der Wodehouse Road getauft. Keith hatte 4 Geschwister von denen heute nur noch sein Bruder Derrick lebt. Georgina Emily Henriette Phillips 1920-2001 - Verheiratet mit Warwick Arthur Andree 1917-2014 (Kinder Georgina Andree & Warwick Andree)
Cecil Bertram Phillips (*1923-†1924) / Mary Merle Anne Phillips (*1927-†2005) / Derrick Phillips.

Wodehouse Road Bombay mit dem Kloster im Hintergrund

Vom 15. Januar 1931 bis am 31. Dezember 1936 absolvierte er seine Schulzeit in der Jesuitenschule St. Mary's High School an der Nesbit Road in Mazagon, Bombay. Die schon 1864 gegründete Schule gehört zu den ältesten, kontinuierlich betriebenen Privatschulen Indiens. Es gehört auch heute noch zu den Top-Tagesschulen des Landes. 

Im Abschlusszeugnis wird erwähnt, dass Keith die Schule frühzeitig wegen Krankheit abbrechen musste. Später absolvierte Keith eine Weiterbildung an einer der beiden Schulen St. Xavier's School oder St. Xavier's College. Als junger Erwachnseren war Keith beinahe an einer Bauchfellenzündung in Folge eines Blinddarmdurchbruchs gestorben. 

Dienstzeit

Irgendwann nach dem Schulabschluss begann Keith eine Lehre als Zivilist bei der Royal Indian Navy. Nach dem Ausbruch des 2. Weltkrieges trat Keith am 6. Dezember 1939 als "Aircraftsman 1" (AC1) der Royal Air Force (RAF) mit der Dienstnummer 771539 als Elektriker bei. Ein Aircraftsman ist der niedrigste Rang in der RAF. 

Er diente in zwei Perioden vom 6. Dezember 1939 bis 27. Februar 1941 und vom 4. Dezember 1941 bis 18. Februar 1946 in verschiedenen Teilen Indiens. Darunter war er in Ambala stationiert, wo er  die 1940 für indisches Personal gegründete School of Technical Training Haig Lines (No.1 Ground Training Schools (GTS)) 1 besucht hatte. Dort wurde Keith und andere junge Männer im Maschinenbau für die Flugzeugwartung ausgebildet. 

Vom 6. bis 8. März 1941 diente Keith in Singapur bevor er vom 12. März bis 30. November 1941 in Burma zum Einsatz kam. Weitere Stationen waren Murree (heutige Provinz Punjab in Nord-Pakistan). Von der Stadt Muree, welches auf einer Höhe von 2300 Meter über Meer liegt, hat man eine fantastische Aussicht auf die umliegenden Berge bis hin zum Himalaya. 

Weiter war Keith eine zeitlang in Karachi (Heute größte Stadt Pakistans) resp. dem Stützpunkt RAF Mauripur stationiert. RAF Mauripur wurde 1942 als Transitflugplatz eröffnet, auf welchem man sich auf die Wartung von Flugzeugen im Transitbereich spezialisiert hatte. Unter anderem waren dort in den Jahren 1944/1945 die No. 77, No. 117 und die No. 267 Squadron mit C-47 Dakotas stationiert, welche haupstächlich Nachschub nach Burma flogen 2

Keith Bernard Emile Ralph Phillips RAF

Eine weitere Station für Keith war Kohat (heute Hauptstadt des Distrikt Kohat in der Provinz Khyber Pakhtunkhwa in Pakistan). Der RAF Stützpunkt in Kohat gab es schon seit 1922 und wurde für operative Zwecke gegen die Bedrohung durch Stammesangehörige der nördlichen und westlichen Gebiete der Grenzprovinz benutzt. In Kohat waren Royal Air Force und und India Air Force-Staffeln im Rahmen ihrer Ruhephasen zwischen den Einsätzen an der burmesischen Front stationiert. Kohat war der erste militärische Flugplatz in Indien, welcher von einem Offizier der indischen Luftwaffe, und zwar von Air Marshal Subroto Mukerjee, dem sogenannten "Vater der indischen Luftwaffe" kommandiert wurde. Dieser wurde im Januar 1945 von dem britischen Air Marshal Aspy Merwan Engineer DFC abgelöst 3.

In Bishnupur reparierte und wartete Keith bei der 143 Repair and Salvage Unit Flugzeuge, bevor er zurück nach Kalkutta beordert wurde, wo er bei der No 1 Combined Maintenance and Upgrade (CMU) seine Dienst tat. Seine Familie wohnte zudem ebenfalls zu dieser zeit auch in Kalkutta.

Aus Bishnupur schrieb Keith an Phyllis bis am 25.12.1944 25 Liebesbriefe. Die restlichen vorhandenen 71 Briefe wurden ab dem 29.12.1944 aus Kalkutta abgeschickt.

Seine Liebste konnte er nicht so einfach besuchen, wenn man sich vorstellt, das zu jener Zeit eine Reise von Karachi nach Kalkutta mit dem Zug rund 6 Tage dauerte.

Singapur

Keith bei seiner Ankunft in Singapur am 6. März 1941 - Foto Derrick Phillips

Seine Hauptaufgabe bei der Aircraft Repair Section (ARS) bestand aus der Reparatur und Unterhalt britischer Kampflugzeuge wie Hurrican's und Spitfire's. Im Laufe seiner Dienstzeit wurde Keith zuerst zum Leading Aircraftsman (LAC) und später zum Corporal (LC) befördert. 

Während seiner Urlaube versuchte Keith seinem Bruder Derrick das lesen von Schaltplänen und bauen eines drahtlosen Gerät beizubringen. Er half ihm auch beim bau und benutzen eines Kristallgerät. Keith spielte immer Streiche oder scherzte. Als ein Kind in Indien hatte Keith den zusätzlichen Glanz, bei der Royal Air Force zu dienen. Die „Brylcream Boys“, wie der beliebte Spitznamen für das RAF- Personal während des 2. Weltkrieges war, war für Kinder definitiv die glamouröseste der drei Streitkräfte. 

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Das Airman's Service Book und Certificate of Service der RAF von Keith zeigt, dass er bis zum 20. Februar 1946 als "Electrician Grade I" in der Volunteer Reserve (VR) der Royal Air Force und danach bis am 20. März 1946 im South East Asia Command (SEAC) diente. Er wurde mit der Verteidigungsmedaille ausgezeichnet und in den Bemerkungen seines Officer Commanding heisst es: „Er war ein effizienter Elektriker für Flugzeuge und Motortransport Vehicle (MTV) und wird für den Einsatz in allen Bereichen der Elektrotechnik empfohlen. “ Den Burma Star hatte Keith nie beantragt, obwohl er durch seine Dienstzeit dort, dieses sicher erhalten hätte.

Während seiner Dienstzeit in Karatschi lernte er seine zukünftige Frau Phyllis Hilda Dann kennen, die als Krankenschwester beim Queen Alexandra’s Imperial Military Nursing Service Reserve diente. 

Phyllis Hilda Dann

Phyllis Hilda Dann

Phyllis Hilda Dann in der Uniform der Queen Alexandra’s Imperial Military Nursing Service Reserve im Rang eines Subaltern (Lieutenant) - Foto Derrick Phillips

Phyllis wurde am 5. Juni 1915 als eines von zwei Kindern von James David Dann und Jessica (geb. Clark) Dann geboren und am 15. Juli 1915 in der St. Luke's Church in Shepherds Bush, London, getauft. 

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Eintrag im örtlichen Register über die Taufe von Phyllis Hilda Dann am 15. Juli 1915 - Quelle Ancestry.co.uk

Als Phyllis zwei Jahre und 2 Tage alt war, fiel ihr Vater Lance Corporal James David Dann vom 8th London Regiment (Post Office Rifles (Dienstnummer 373619) am 7. Juni 1917 bei der „The Battle of Messines (Ridge)” in Belgien. Phyllis hatte ihren Vater nie gesehen. Seine sterblichen Überreste wurden nie gefunden. James David Dann ist auf Tafel 54 des Menin Gate Memorial in Ypern / Belgien verewigt. 

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Menin Gate Memorial - Ypres Belgien - Grafik The Commonwealth War Graves Commission (CWGC)

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Links: James David Dann Todesanzeige. Rechts: James wurde postum mit der Siegesmedaille ausgezeichnet. Privatsammlung P. Schlenker

Phyllis Mutter Jessie Hilda (Clark) geboren am 10. März 1889 heiratete nach dem tod von James Arthur Alfred Chapman. Mit ihm bekam Phyllis ihre ältere Schwester Frances Jessie, geboren am 23. Juni 1912 am 12. Mai 1917 eine weitere Schwester mit dem Namen Doreen Stella. Diese wurde am 17. Juni 1917 in der Kirche St. Thomas in Hammersmith getauft. Wenige Tage später verstarb Dorren jedoch. Frances Jessie heiratete am 20. März 1932 in Stamford Brook in Hammersmith William Ernest Clarke. 

Als Kind besuchte Phyllis die Godolphin and Latymer School und die Upper Latymer School in Hammersmith, London. Ihre Ausbildung als Krankenschwester begann sie im Bruce Porter Convalescent Home in Folkestone (Teil der Barnardo Homes National Incorporated Association), wo sie 1932 eine zweijährige Ausbildung in „medizinischer und chirurgischer Krankenpflege“absolvierte. Dies im sowohl im Tag- als auch im Nachtdienst. Weitere Erfahrungen als Krankenschwester erwarb sie im Kent and Sussex Hospital in Tunbridge Wells, Kent. 1936 arbeitete sie auch am Royal Sea Bathing Hospital, Margate. In ihrem Arbeitszeugniss wird ihre Arbeit als "äusserst zufriedenstellend und ihr Verhalten als vorbildlich beschrieben" Von 1937 bis 1940 absolvierte Phyllis eine dreijährige Weiterbildung im Torbay Hospital Provident and Eye Dispensary, die aus Vorlesungen über Anatomie, Physiologie und medizinische und chirurgische Pflege bestand. Auch hier wurde ihre Arbeit als sehr gut und ihr Verhalten als ausgezeichnet beschrieben. 

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Zertifikat vom July 1936 aus dem Royal Sea Bathing Hospital in Margate - Privatsammlung P. Schlenker

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Im selben Jahr feierte Phyllis ihren 21. Geburtstag. Eines von Ihrer Mutter Jessica. - Quelle Privatsammlung P. Schlenker

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Quelle Privatsammlung P. Schlenker

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Und von ihren sehr guten "Chums" (Kumpeln) Peter, Phillip, Pat und Paul - Quelle Privatsammlung P. Schlenker

Dienstzeit

Am 15. Februar 1944 trat Phyllis dem Queen Alexandra’s Imperial Military Nursing Service Reserve (QAIMNS/R) bei. Phyllis war am sofort P. Dann Sister QAIMNS/R P/306660. Phyllis bekam, wie alle anderen Schwestern der QAIMNS/R eine graue Uniform mit rotem Revers und Kragenbesatz und eine khaki Uniform mit Schirmmütze für ausserhalb des Krankenhausgeländes im Range eines Leutnants.  

Während ihrer Grundausbildung, in welcher sie nebem medizinischem auch lernte zu salutieren und immer alles mit dem Namen und der Nummer zu unterschreiben. Phyllis wurde, wie alle angehörigen der Armee gegen Malaria und Gelbfieber geimpft, sowie gegen Pocken und, wie wie viele andere QAIMNS/R beschrieben haben, alle sonstig bekannten Krankheiten.

Obschon die QAIMNS im Jahr 1902 gegründet wurde, liegt der eigentliche Ursprung der Einheit im 19. Jahrhundert und bei Florence Nightingale. Nach Nightingales Pionierarbeit auf der Krim, bei dem sie feststellen konnte, dass schlechte Bedingungen und mangelnde sanitäre Einrichtungen zu den zahlreichen Gründen gehörten, die zur steigenden Todesrate verletzter Soldaten beitrugen.  

1902 wurde Königin Alexandra mit der Bitte angesprochen, Präsidentin und Patronin des neu organisierten weiblichen Krankenpflegeflügels der Armee zu werden. Königin Alexandra, die nach ihr benannt wurde, war bis zu ihrem Tod 1925 aktiv an den QAIMNS beteiligt. Es war ihre Entscheidung, dass die Krankenschwestern Florence Nightingales Wahl des Graus in ihrem Kleid beibehalten sollten, und sie wählte das Symbol des weißen Kreuzes von der dänischen Flagge. eine Anerkennung ihres dänischen Hintergrunds sowie ihres Mottos „Candida sub Cruce“ (unter dem weißen Kreuz).

Es stellte sich schnell heraus, dass in Konfliktzeiten weitaus mehr Krankenschwestern benötigt würden als in Friedenszeiten, und so verfügte QAIMNS auch über die QAIMNS (R), Reserveschwestern, die ebenfalls voll ausgebildet und qualifiziert waren. Im Normalfall waren es alleinstehende Frauen, die beruflich in Krankenhäuser arbeitetetn, die aber in Notfällen abgerufen werden konnten. Sie erwiesen sich als unschätzbare Ressource und wurden in den 1930er Jahren oft von ihren Matronen während ihrer Krankenpflegeausbildung zerpflückt. Am 3. September 1939 zum Beispiel öffneten alle Reserveschwestern die versiegelten Anweisungen, die sie nach ihrer Ausbidlung getragen hatten und meldeten sich zu tausenden gemäss den Anweisungen ihren zugewiesenen Stützpunkten.

Phyllis wurde in der Folge dem No 1 IBGH - Indian Based (British) General Hospital an der Drigh Road in Karachi zugeteilt. Die beschwerliche fahrt über die Meere dauerte rund 3 Wochen. Das Wetter war meist extrem kalt und das Meer sehr rau. Boots-Notfallübungen waren ein täglicher Muss und halfen nicht dabei, dass ein grossteil der Leute an Bord Seekrank waren. Die Krankenschwestern auf diesen Schiffen mussten sich jedoch rasch an die Umstände anpassen, da sie meist auch für das Personal und die anderen Soldaten im Krankheitsfall zuständig waren. So wurden die jungen Mädchen in die "Sick Bay" geschickt, wie das Krankenzimmer auf diesen Schiffen liebevoll genannt wurde. Dort gab es eine ganze Fülle an Patienten mit den verschiedensten Beschwerden. Bei den Krankenschwestern hies das offiziell "Through Life Capability Management". Inoffiziell "tender, loving care from mom" (zärtliche, liebevolle Betreuung von Mama). Die grösste Herausforderung war jedoch für alle die grosse Hitze und die Fliegen, die jederzeit überall waren.

Am 25. Dezember 1944 war Phyllis am offiziellen Weihnachtsessen der Royal Air Force in Mauripur, ausserhalb von Karachi eingeladen. Geladen hatte Wing Commander Henry Neville Gynes Ramsbottom-Isherwood, Träger des Distinguished Flying Cross (DFC), der Air Force Medal (AF) sowie des Lenin Ordens. Er war einer von nur vier Empfängern des Lenin-Ordens im britischen Commonwealth während des Krieges, nachdem er einen Luftkampf über Nordrussland geführt hatte. Zudem schulte Isherwood russisches Personal auf britische Kampfflugzeuge. Wing Commander Henry Neville Gynes Ramsbottom-Isherwood stürzte 24. April 1950 mit eine Düsenjäger vom Typ Gloster Meteor IV bei einen Testflug in einem schweren Schneesturm ab und kam dabei ums Leben.

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Menukarte der Weihnachtsfeier bei der Royal Air Force in Mauripur vom 25. Dezember 1944 - Quelle Privatsammlung P. Schlenker

Ab Mitte Februar 1945 wurde Phyllis ins Combined Military Hospital (CMH) Hospital an der Nasik Road in Deolali versetzt. Deolali war ein Lager der britischen Armee 160 km nordöstlich von Mumbai. Es war der ursprüngliche Standort des Army Staff College (heute das Defence Services Staff College in Indien. Das Lager verfügte über ein Militärgefängnis, das für Soldaten der britischen Armee und für gefangene indische Nationalisten genutzt wurde, die in der von Japan gegründeten indischen Nationalarmee gedient hatten. Weiter gab es auch über Kinos, Schwimmbäder, Vergnügungsparks und Restaurants für die Truppen.

No 1 IBGH - Indian Based (British) General Hospital - Drigh Road Karachi, in dem Phyllis bis Februar 1945 ihren Dienst tat - Quelle www.rafcommands.com

Gegen Ende Jahr 1945 wurde Phyllis nochmals versetzt und zwar auch in ein Combined Military Hospital im North Western Frontier Province (NWFP) nach Kohat (heutiges Pakistan). NWFP ist der ehemalige Name einer Grenzregion in Britisch-Indien. Bekannt wurde der Name der Provinz durch die Kriege in Afghanistan und dem Konflikt mit dem Russischen Kaiserreich (Great Game). Kohat liegt 180km westlich von Islamabad. Die Combined Military Hospital gehörtem zum Teil der rasanten Entwicklung während des Krieges. Die Idee eines homogenen Korps durch Zusammenlegung der indischen medizinischen Dienste, der indischen medizinischen Abteilung (IMD) und des indischen Krankenhauskorps nahm allmählich Gestalt an und das indische Armeekorps (IAMC) entstand am 3. April 1943. Die medizinischen Einrichtungen des India Army Medical Corps (IAMC) wurden konzentriert in den Gebieten, die später Pakistan werden sollten.

 

Wedding of Keith and Phyllis at St. Thomas Church, Calcutta

Phyllis und Keith während ihrer heirat am 30. Juni 1945 in der St. Thomas-Kirche in der Middleton Row in Kalkutta - Foto Foto Derrick Phillips

England

Auch nach ihrer Heirat verblieben beide bei ihren Einheiten und dienten weiter getrennt voneinander. Kurz vor der Trennung Indiens in zwei Staaten und der Unabhängigkeit kehrten Phyllis und Keith via Mauretanien und Liverpool nach England zurück. Ihre Eltern und Geschwister sollten in den folgenden Monaten ihnen folgen.

Phyllis arbeitet in danach einige Jahre als zivile Krankenschwester, hauptsächlich im Hillingdon Hospital im Grossraum London. Phyllis war in der Tat eine Krankenschwester der alten Schule und duldete bei den Krankenschwestern keine weder Nachlässigkeiten noch Diziplinlosikeit.

Sie erzählte Derrick, Keith jüngstem Bruder einmal eine gruselige Geschichte: Sie hatte Nachtdienst und sass an ihrem Schreibtisch und erledigte Papierkram, als sie plötzlich einen Patienten an der Tür der Station vorbeigehen sah. Da sie wusste, dass die Frau älter und ziemlich krank war, eilte sie in die andere Station, um die diensthabende Krankenschwester zu beschimpfen, weil sie nicht bemerkt hatte, dass der Patient aus dem Bett gestiegen war und irgendwo herumwanderte. Die Krankenschwester sah überrascht aus und sagte: "Aber - dieses Patientin ist gestern gestorben." Phyllis schwor, dass sie sich den Vorfall so ereignet hatte und die Geschichte nicht erfunden sei.

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Papierzeichnung von Phyllis Hilda Dann. - Privatsammlung P. Schlenker

Keith erhielt wie Phyllis eine Anstellung und zwar als Elektrotechniker bei British European Airways am Northolt Aerodrome.  In der Folge wechselte Keith zum Flughafen Heathrow und wurde dort Inspektor bei der British Overseas Airways Corporation und  nach dem Zusammenschluss mit BEA zur Fluggesellschaft und bei British Airways. Keith war gemäss seinem Bruder Derrick immer ein Befürworter von Präzision und Sicherheit. So verdiente er sich einige Unbeliebtheiten.  Er weigerte sich so manches Flugzeug als luftwürdig zu zertifizieren, wenn nicht jeder noch so kleine Fehler, den er gefunden hatte, vollständig behoben worden war. Als er nach 33 Jahren im Zivildienst am 31. Juli 1980 den Ruhestand ging, fürchtete er, dass die Sicherheitsstandards gesenkt würden.

Keith und Phyllis lebten kurze Zeit in Eastcote, Middlesex (heute Teil des Londoner Stadtteils Uxbridge) und Hillingdon Heath, bevor sie nach Ickenham, Middlesex (heute ebenfalls Teil von Uxbridge) zogen. Keith war ein begeisterter Gärtner und hatte einen wunderschönen Garten voller Blumen. Sie hatten zwei Cockerspaniels.  Marcus, der einem langen und angesehene Hundestammbaum entstand, war ein grossartiger Freund, neigte aber allzuoft dazu, die Schuhe seines Herrn zu bewachen und zu knurren, wenn jemand (sogar Keith) versuchte, sie ihm wegzunehmen. Lady, der zweite Cockerspanielwar einfach gemäss Derrick einfach nur eine süsse und sehr hübsche "Kreatur".

Derrick schrieb mir über seinen Bruder Keith:

Keith was a much loved brother of me and my sisters and, always full of fun, he was adored by his nieces and nephew. Keith was the only brother I knew, as Cecil died before I was born. I always looked up to him, not just as one would to an elder brother, but because he was one of those people who seemed to able to turn his hand to any practical job. He was always playing pranks or joking. On one occasion a cousin joined us for Dinner. He was extremely fond of his food (to put it kindly); if someone appeared not to want to finish what was on their plate, he would ask if he could have it. He was also squeamish about what he ate – so Keith quietly slipped a long cooked carrot into his clear soup and when my cousin asked what it was Keith replied “Oh, it’s just a puppy dog’s tail”. That was enough to put my cousin off the rest of his meal.

Keith war ein sehr geliebter Bruder von mir und meinen Schwestern und wurde immer voller Spass von seinen Nichten und Neffen verehrt. Keith war der einzige Bruder, den ich kannte, da Cecil starb, bevor ich geboren wurde. Ich sah immer zu ihm auf, nicht nur zu einem älteren Bruder, sondern weil er einer der Menschen war, die in der Lage zu sein schienen, seine Hand auf einen praktischen Job zu richten. Er spielte immer Streiche oder scherzte. Einmal kam ein Cousin zum Abendessen zu uns. Er liebte sein Essen sehr (um es freundlich auszudrücken); wenn jemand genug hatte, fragte er immer, ob er es haben könnte. Er war auch zimperlich in Bezug auf das, was er ass - also schob Keith leise eine lange gekochte Karotte in seine klare Suppe und als mein Cousin fragte, was es sei, antwortete Keith "Oh, es ist nur ein Hündchenschwanz". Das war genug, um meinen Cousin vom Rest seines Essens abzuhalten.

Farnborough Air Show - D-110 Absturz - 6. September 1952

Am 6. September 1952 besuchte Phyllis, Keith und sein jüngerer Bruder Derrick die Farnborough Air Show. Testpilot Squadron Leader John Derry flog an diesem Tag den Prototyp DH-110 von de Havilland, aus welchem später die de Havilland Sea Vixen hervorgehen sollte. Nach einer Demonstration ihrer Fähigkeit, die Schallmauer während des Fluges auf niedrigem Höhe zu durchbrechen, zerfiel das Flugzeug. Die Flügelvorderkanten knickten ein, was dazu führte, dass die äusseren Teile der zurückgelegten Flügel abgerissen wurden. Die anschließende Verschiebung des Druckmittelpunkts des DH-110 führte dazu, dass sich das Flugzeug nach vorne neigte und in der Folge das Cockpit und das Heck abbrachen und die Triebwerke durch die Beschleunigung aus der Flugzeugzelle gerissen wurden.

Kurz vor dem Unglück beschwerte sich Derrick, dass er wegen der viele Zuschauer nicht auf die Rollbahn und somit auch nicht die dort abgestellten Flugzeuge sehen konnte. So begaben sich die drei auf einen kleinen Hügel auf der anderen Seite ihres urpsrünglichen Standortes. Kurz danach krachte eines von Derrys Triebwerken in jenem Gebiet in die Menschenmenge, an welchem sie kurz zuvor noch gestanden waren. Beim Unglück starben 29 Zuschauer, sowie Squadron Leader John Derry und sein Flugtestbeobachter Anthony Richards.

Farnborough Air Show - D-110 Absturz - 6. September 1952 

Familie Phillips

Keith besuchte mit seiner Frau Phyllis jeden Sonntag und besonders zu Weihnachten pflichtbewusst seine Eltern und Geschwister. Man genoss jeweils als Familie gemeinsam das Weihnachtsessen.

Derrick schrieb mir dazu:

On one notable occasion he and Phyllis on their way to us on Christmas Day travelled on the London Underground. The train stopped at our local tube station and they disembarked. The train left, but Keith and Phyllis found that the station was closed and they could not leave it. Imagine the surprise of the driver of the next train, when he saw two people on the platform of a closed station flagging him down! The train fortunately stopped and Keith and Phyllis were able to travel to the next station and walk to our flat.

Bei einer bemerkenswerten Gelegenheit reisten er und Phyllis am Weihnachtstag mit der Londoner U-Bahn zu uns. Der Zug hielt an unserer örtlichen U-Bahnstation und sie stiegen aus. Der Zug fuhr ab, aber Keith und Phyllis stellten fest, dass der Bahnhof geschlossen war und sie ihn somit auch nicht verlassen konnten. Stellen Sie sich die Überraschung des Fahrers des nächsten Zuges vor, als er zwei Personen auf dem Bahnsteig einer geschlossenen Station sah, die ihn anhielten! Der Zug hielt glücklicherweise an und Keith und Phyllis konnten zur nächsten Station fahren und zu unserer Wohnung gehen. 

Kurz nach Keith Ruhetand am 31. Juli 1980 wurde bei ihm Krebs diagnostiziert und einige Monate später, am 16. Januar 1983 verlor er seinen letzen Kampf und erlag der Krankheit im Mount Vernon Hospital in Northwood. Ironischerweise arbeitete Phyllis im selben Krankenhaus. Derrick war bei Keith, als er verstarb. Derrick hatte dabei etwas Trost gefunden, um in seinen letzten Augenblicken bei ihm zu sein. Keith letzten Worte an Derrick waren: "Pass auf Phyllis auf". Derrick und seiner Frau Sheila hatten in der Folge ihr Bestes getan, um seinen letzten Wunsch zu erfüllen.

Nach Keiths Tod wohnte Phyllis die nächsten 22 Jahre alleine in ihrem Haus in Ickenham. In ihren letzten Jahren litt sie sehr stark an Ischias und Glaukom, was sie auf einem Auge blind machte, während sie sich auf dem anderen Auge einen Katarakt zugezogen hatte. Nachdem sie jahrelang dafür gekämpft hatte, mit Unterstützung ihres Schwagers Derrick und seiner Frau Sheila ihre Unabhängigkeit nicht aufzugeben, stürzte Phyllis Mitte Dezember 2005 schwer. Dabei verletzte sie sich im Gesicht und an beiden Augen. Sie wurde Notfallmässig im Hillingdon Hospital eingeliefert. Eine Woche später wurde sie in ihre ehemalige Arbeitsstätte Mount Vernon Hospital verlegt. Dort verschlechterte sich ihr Gesundheitszustand sehr schnell und sie verstarb friedlich im Schlaf in den frühen Morgenstunden des 26. Dezember 2005 im Alter von neunzig Jahren und fast sechs Monaten. Zuvor war schon am 11. Juli 2005 ihre Schwester Frances Jessie im alter von 92 Jahre verstorben. Offensichtlich machten die beiden Schwestern mit ihren langen Lebensdauer das sehr kurze Leben ihrer kleinen Schwester Doreen Stella wieder gut.

Vielleicht musste es so sein, dass Phyllis im Mount Vernon starb, wo schon ihr Ehemann Keith 1983 verstorben war. Phyllis war entschlossen gewesen, ihr Zuhause niemals aufzugeben, und sie erfüllte ihren Wunsch. Gemäss Derreick war eine bleibende Erinnerung für den Rest der Familie Phyllis 90. Geburtstag, der im Haus ihrer Nichte Alison Coote in Sevenoaks gefeiert wurde - an dem eine große Anzahl von Mitgliedern der Familien Phillips, Coote, Holmes und Beesening (einschließlich ihres Bruders) teilnahmen. Dazu kamen Schwägerinnen, Nichten und Neffen und Großneffen. 

Keith und Phyllis fanden zusammen auf dem Hillingdon Cemetery in Uxbridge ihre letzte Ruhe. Keith und Phyllis hatten keine Kinder, was für die beiden nicht einfach war. Derrick ist überzeugt, dass Keith ein wundervollen Vater gewesen wäre.

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Briefe 

Insgesamt sind 96 Briefe aus der zeit zwischen dem 20. September 1944 und dem 27. Juli 1945 erhalten geblieben. Versendet wurden diese von folgenden Adressen:

20.9.1944 Bishnupur

29.12.1944 Calcutta No 1 Combined Maintenance and Upgrade (CMU)

21.1.1945 2/1 Russel Street Calcutta

2.2.1945 4 Lord Shina Road Calcutta (Heute ein Schulhaus)

5.2.1945 Calcutta No 1 E.M.U 

18.2.1945 4 Lord Shina Road Calcutta

4.7.1945 Suitte 11 - 4 Lord Shina Road Calcutta

 

 Quellen:

https://indianairforce.nic.in/content/training-command

2 https://www.bbc.co.uk/history/ww2peopleswar/stories/74/a3841274.shtml 

http://www.rafcommands.com/galleries/SEAC/RAF-Kohat-1941

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