4. Dezember 1944
Verstärkter Wiederstand der Deutschen Truppen im Elsass
Zwischen Saarunion und Hagenau befinden sich die amerikanischen Truppen in intensiven Gefechten. Deutsche Panzerverbände griffen wiederholt entlang der Strasse von Saargemünd nach Hagenau an. Das Dorf Diemeringen, östlich von Saarunion, wurde zum Schauplatz schwerer Nahkämpfe, blieb jedoch unter amerikanischer Kontrolle.
Weiter östlich wechselte das Dorf Wingen in den Vogesen mehrmals am Tag den Besitzer. Noch ist unklar, ob die motorisierten Einheiten der Siebten Armee den Durchbruch in das dicht bewaldete elsässisch-deutsche Grenzgebiet erreicht haben. Gleichzeitig liegt die belagerte Festung Hagenau weiterhin unter schwerem Artilleriebeschuss der Amerikaner.
Die französische Erste Armee konnte mit der Eroberung von Rappoltsweiler (Ribeauvillé) und St. Hippolyte, südwestlich von Schlettstadt, den östlichen Zugang zum Pass von Marsilly blockieren. Deutsche Truppen befinden sich dort auf dem Rückzug in Richtung Rhein. Schlettstadt, das am Sonntag kurzzeitig von französischen Kräften gehalten wurde, ist erneut Schauplatz intensiver Strassenkämpfe. Eine aus den Vogesen abziehende deutsche Einheit hat sich dort festgesetzt.
Zeitgleich unternahmen deutsche Truppen vom Rhein aus einen Entlastungsangriff, offenbar mit dem Ziel, die Verbindung zwischen den südlichen und nördlichen Kolonnen von General Leclerc zu unterbrechen. Genauere Informationen über diesen Sektor, in dem sich die deutschen Truppen hartnäckig an ihren Brückenköpfen in Neubreisach verteidigen, lagen in der Nacht zum Dienstag noch nicht vor.
Westlich von Mulhouse mussten die französischen Truppen bei Thann einige Gebiete an die Deutschen abgeben, die dort erfolgreich einen Gegenangriff führten.
Am Grenzübergang Hüningen - Französische Truppen - Foto Kriegstagebuch Gertrud Löw - Bearbeitung und Kolorierung Patrick Schlenker
Vereinzeltes Artilleriefeuer
Vormittag ist in der Grenznachbarschaft Basels nur vereinzeltes Artilleriefeuer festzustellen, das ausschliesslich von französischer Seite abgegeben wird. Die Artillerie schiesst sich mit Nebellgranaten auf ihre verschiedenen Ziele ein, und Einschläge sind an einem Bahndamm bei Haltingen sowie insbesondere am deutschen Brückenkopf der alten Eisenbahnbrücke Hüningen-Weil zu beobachten. Weitere Einzelschüsse treffen Friedlingen, Haltingen und das Gebiet zwischen Haltingen und Fimeldingen.
Der Geschützdonner aus der Gegend des mittleren Hardtwaldes bei Mulhouse verstummt. Fliegeraktionen finden nicht statt, offenbar wegen des schlechten Wetters.
Basel - Lage in der Mustermesse
Die Flüchtlingskinder brauchen Wäsche
Nachdem sich die elsässischen Flüchtlinge in der Mustermesse allmählich eingelebt haben, wird zunehmend deutlich, was ihnen alles fehlt. Viele von ihnen hatten vielleicht nicht damit gerechnet, dass ihr Aufenthalt in der Schweiz länger dauern würde. Jetzt stellt sich heraus, dass die Buben und Mädchen dringend ihre Unterwäsche wechseln sollten.
Es fehlt jedoch an Hosen für Mädchen und an Unterhosen für Jungen. Besonders dringend ist der Mangel an Windeln für kleine Kinder, was die Mütter stark belastet. Darf man die Basler bitten, den Familien in dieser Notlage zu helfen? Jede Mutter wird diesen Wunsch nachvollziehen können und, sofern möglich, versuchen, ihn zu erfüllen.
Die benötigten Kleidungsstücke können entweder am Eingang der Mustermesse an der Isteinerstrasse oder im Empfangszentrum des Roten Kreuzes am SBB abgegeben werden.
Flüchtlingskinder mit einer Rot-Kreuz Schwester - Foto Pivatarchiv & Kolorierung Patrick Schlenker
Besuch und Abholen von Flüchtlingen
Es wird auf Folgendes hingewiesen (Aus den Basler Nachrichten):
Der zeitweise starke Andrang von Personen, die Flüchtlinge in der Mustermesse besuchen oder abholen möchten, hat die zuständigen Stellen veranlasst, Massnahmen zu ergreifen, um eine reibungslose Abwicklung sicherzustellen. Personen, die Bekannte oder Verwandte im Flüchtlingslager Mustermesse besuchen möchten, werden gebeten, ihren Besuch den betreffenden Personen im Voraus schriftlich mitzuteilen, dabei Tag und Uhrzeit genau anzugeben. Wenn jemand unangekündigt erscheint, um eine bestimmte Person zu sehen, kann das Lagerkommando nicht garantieren, dass diese Person ohne Weiteres ausfindig gemacht und vorgeladen werden kann. Die Zahl der Flüchtlinge ist bekanntlich recht gross. Besuche sollten daher ausschliesslich zwischen 14:00 und 17:00 Uhr erfolgen.
Personen, die Flüchtlinge in eine private Unterkunft aufnehmen möchten, werden gebeten, dies ebenfalls schriftlich den betreffenden Flüchtlingen mitzuteilen und genau anzugeben, wann sie sie in der Mustermesse abholen möchten. So kann sichergestellt werden, dass der betreffende Flüchtling rechtzeitig bereit ist. Für das Abholen von Flüchtlingen sind die Zeitfenster 8:00 bis 11:00 Uhr sowie 14:00 bis 17:00 Uhr vorgesehen.
Die Mitteilungen an die Flüchtlinge können entweder per Post gesendet oder direkt in der Mustermesse an der Isteinerstrasse abgegeben werden.
Flüchtlinge: Menschengruppe mit Kindern - Foto Staatsarchiv Basel - BSL 1060c 3/7/361 - Jeck, Lothar - Kolorierung Patrick Schlenker
Territorial-Kommando
Aus den Berichten der Schweizer Armee:
Rückgabe der ausgeliehenen Lastwagen.
Gegen Mittag klingt das Artilleriefeuer aus dem Raum Mulhouse ab.
11:50 Uhr: Pol. Gfr. meldet den Tod eines Radfahrers der Radfahrer-Kp. 24.
14:00 Uhr: Besprechung des Kdt. und Hptm. der Radfahrer-Kp. 24 – die Kp. will den Radfahrer selbst bergen.
Ter. Kdo. 2 schickt von Pontrut einen deutschen Flüchtling mit Kind.
Die Polizei bringt den Kopf einer Granate, die tags zuvor auf dem Marktplatz niedergegangen ist.
Ziemlich ruhige Nacht.
Flüchtlingslager MUBA:
- Eingang: 75 Personen
- Ausgang: 276 Personen – davon 83 zurück nach Frankreich



