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5. Dezember 1944

Die Situation am Oberrhein

Amerikanische mobile Verbände schlugen am Nachmittag Stösse der deutschen Panzereinheiten nördlich von Strassburg zurück. Gegen die 5. Panzerarmee versuchten sie dann von Neuem, zwischen Hagenau und dem Oberrhein vorzustossen. Südlich von Strassburg, wo die Deutschen alle noch vorhandenen Panzer zu Gegenangriffen einsetzten, kamen die Truppen Leclercs nur langsam vorwärts, während in den Vogesen von der Zaberner Senke bis in das Gebiet nördlich von Belfort die methodischen Säuberungsaktionen weitergeführt wurden.

Bomberangriff auf Lörrach

Zur Mittagszeit wurde Lörrach von schweren Bombenangriffen getroffen. Eine Welle von 19 schweren Bombern flog von Westen kommend in östlicher Richtung über das Oberelsass und bombardierte gezielt die Stadt.

Die ersten Bomben fielen in den Hofgarten der Liegenschaften an der Baumgartner-Kreuzstrasse, gegenüber dem Gasthaus „Ochsen“. Drei Häuser wurden schwer beschädigt, wobei vor allem die oberen Stockwerke betroffen waren. Der erste Stock eines Hauses wurde durch den gewaltigen Luftdruck nach aussen auf die Strasse gedrückt. Die Decken des zweiten Stocks stürzten ein. In diesem Gebäude brach zudem ein kleiner Brand aus, nachdem herabgefallene Matratzen auf einen brennenden Gegenstand gefallen waren. Der Brand konnte jedoch schnell gelöscht werden.

Im Nachbarhaus wurde das gesamte Treppenhaus mitsamt den umliegenden Zimmern bis hinauf zum Dach vollständig zerstört. Die Hausfrau, die nicht mehr rechtzeitig in den Luftschutzkeller flüchten konnte, wurde von den Trümmern beinahe bis zum Hals verschüttet. Sie erlitt einen Beinbruch sowie weitere Verletzungen und musste ins Spital eingeliefert werden. Auch die angrenzenden Gebäude wurden durch herumgeschleuderte Trümmer schwer beschädigt.

Tragischerweise kamen bei diesem Angriff zwei Kinder ums Leben – ein 2 ½-jähriges und ein 5 ½-jähriges Kind aus der Baumgartner- und Kreuzstrasse.

Eine weitere Bombe schlug in der Nähe der Wiesentalbahn, vor dem Bezirksamt (Landratsamt), ein. Hier wurden die Gleisanlagen zerrissen und verbogen. Eine Bombe explodierte nicht, was ein grösseres Unglück verhinderte. Dennoch wurden benachbarte Häuser beschädigt, und einige Bewohner mussten in andere Stadtteile umquartiert werden.

Ein weiterer Bombenabwurf traf die Schützenstrasse, insbesondere das Eckhaus der Köchlinstrasse, gegenüber der Lörracher Milchzentrale. Hier war der Gebäudeschaden beträchtlich. Ein riesiger Steinbrocken, der durch die Explosion hochgeschleudert wurde, durchschlug das Dach des Gasthauses „Engel“ auf dem Viehmarktplatz. Der Stein fiel durch zwei Stockwerke und landete schliesslich in der Gaststube. Glücklicherweise wurde der Betrieb der Milchzentrale nicht erheblich beeinträchtigt.

Zwei weitere Bomben trafen die Gleise in der Nähe der Lörracher Volksschule. Hier wurden die Signalanlagen zerstört und die Bahngleise erheblich beschädigt.

Die Angriffe kamen im Zusammenhang mit verstärktem Luftverkehr über dem Oberelsass. Die Bomberstaffeln, die in geschlossenen Formationen flogen, bewegten sich zielgerichtet weiter nach Osten. Die Angriffe sorgten für erhebliche Unruhe in der gesamten Region.

Territorial-Kommando

Schäden:

Am Mühlistiegrain 7 in Riehen kam es zu einem Schaden durch Feindbeschuss.

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Aus den Berichten der Schweizer Armee:

07:00 - 10:00 Uhr: Stärkeres Artilleriefeuer

11:55 Uhr: Meldung von Hpm. von der Mühle, dass seine Bew. Kp. 21 BS beim De-Wette-Schulhaus entlassen habe (41 Mann).

12:14 - 13:22 Uhr: Fliegeralarm

14:00 Uhr: Sitzung bei Regiment mit Regierung:

Besprochen wurde in Anwesenheit des Eidgenössischen Polizeidepartements die Einreisebewilligung von Deutschen betreffend Härtefälle. Es wurde eine Lösung im Sinne beschlossen, dass dem Kanton Basel-Stadt delegiert wird, persönliche Ausnahmebewilligungen auszustellen. Voraussetzung für Härtefälle bildet, dass die Einreisewilligen besonders enge Verbindungen zur Schweiz halten und dass sie politisch nicht gefährlich sind.

Rücknahme von Flüchtlingen nach St. Louis

Anfrage von Pfarrer Schweizer betreffend Übertritt nach Hégenheim, um eine Frau zu beerdigen. Es wird eine einmalige Sonderbewilligung für den einmaligen Übertritt ausgestellt.

23:21 - 23:49 Uhr: Fliegeralarm

Gegen 21:30 Uhr, ertönt in Basel das Rotorengeräusch mehrerer Flugzeuge, die aus nordöstlicher Richtung kommen. In der Folge wird in Basel sowie in der umliegenden Region, einschliesslich der badischen Nachbarschaft, Fliegeralarm ausgelöst. Die unbekannten Maschinen bewegen sich westwärts und verschwinden schliesslich hinter dem hügeligen Gelände des Oberelsass. 

Flüchtlingslager MUBA:

  • Eingang: 36 Personen
  • Ausgang: 754 Personen 

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