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10. Dezember 1944 

Heinrich Himmler Oberbefehlshaber über Deutsche Truppen im Elsass

Nachdem am 2. Dezember 1944 die 19. Armee aus der Heeresgruppe G herausgelöst und der neu gebildeten Heeresgruppe Oberrhein unterstellt wurde und direkt dem Führerhauptquartier untersteht, wird ab sofort Heinrich Himmler Oberbefehlshaber. Ziel der Neuorganisation ist es, den alliierten Vorstoss in das Elsass zu stoppen und eine stabilere Verteidigungslinie zu etablieren.

Kämpfe bei Hagenau und Umgebung

An den südlichen Abschnitten der elsässischen Front setzen die deutschen Truppen ihre Verteidigung mit äusserster Härte fort. Ihr Ziel ist es, den Rückzugskorridor von Colmar zum Rhein offen zu halten. Die alliierten Verbände, die konzentrisch auf Colmar vorstossen, machen nur geringe Fortschritte. 

Französischer Vorstoss im Oberelsass

In der Morgenfrühe werden die Bewohner von Basel und Umgebung durch ein heftiges Artilleriefeuer aufgeschreckt. Es entsteht der Eindruck, dass eine grössere Aktion im Gange ist, und es sich nicht mehr um das übliche Störfeuer handelt. Tatsächlich scheint ein gezielter Vorstoss gegen die von den Deutschen weiterhin besetzte Umgebung des Kraftwerks Kembs eingeleitet zu werden.

Nach einer vollkommen ruhigen Nacht beginnt es um 06:30 Uhr im Hügelgelände südlich von Mülhausen mächtig aufzublitzen. Kurz darauf explodieren Dutzende Granaten auf dem linksrheinischen Gebiet in der Nähe des Kraftwerks Kembs und der Ortschaft Loechle. Die Einschläge erfolgen so dicht, dass man fast von einem Trommelfeuer sprechen kann. Den Detonationen nach handelt es sich um mittelschwere Kaliber.

Wenig später wird das Artilleriefeuer auf das badische Rheinufer in die Nähe von Istein verlagert. Gegen 08:00 Uhr setzen auch französische Maschinengewehre ein. Gleichzeitig bricht in Loechle eine schwere Feuersbrunst aus. Über dem Gebiet, das unter dem Beschuss der französischen Artillerie liegt, kreisen fortwährend drei alliierte Flugzeuge.

Efringen-Kirchen an der Bahnhofstrasse 34, heutiges Walsers Landhotel & Restaurant nach dem Beschuss französischer Artillerie - Foto Postkarte Friedrich Gütermann Lörrach /Baden - Kolorierung Patrick Schlenker

Um 09:30 Uhr verstärkt sich der Geschützdonner erneut. Aufgrund der inzwischen trüben Sicht können die Einschläge jedoch nicht mehr genau beobachtet werden.

In der Dreiländerecke kommen im Verlauf des Vormittags auch Minenwerfer zum Einsatz. Die Gegend von Friedlingen bis dicht an die Schweizer Grenze gerät unter Beschuss.

Zerstörte Gebäude in Haltingen / Weil am Rhein an der Kirchstrasse, Blickrichtung Georgskirche unterhalb des Tüllinger Berges. Kirchtürme waren beliebte Ziele der französischen Artillerie, da sie dem Gegner durch ihre erhöhte Position einen Überblick über das Gefechtsfeld ermöglichten. Das gesamte Gebiet unterhalb der Georgskirche wurde mehrfach beschossen und grösstenteils zerstört - Foto zeitgenösische Postkarte - Kolorierung Patrick Schlenker

Haltingen, Grosse Gass 21nach der Zerstörung durch Artillerie und Bombardierungen. Das selbe Gebäude heute (Vogtskeller) - Foto zeitgenösische Postkarte - Kolorierung Patrick Schlenker

Am Mittag eröffnen französische Batterien aus dem Raum westlich von Sierentz das Feuer. Mehrere Granaten schlagen in der Umgebung von Märkt und in der Nähe des dortigen Stauwehrs ein. Deutsche Artillerie antwortet bereits in den frühen Morgenstunden mit Beschuss aus dem badischen Hinterland und nimmt die französischen Stellungen bei Sierentz und Habsheim unter Feuer.

Kurz nach 14:00 Uhr werden aus nördlicher Richtung, möglicherweise aus der Gegend von Müllheim, mehrere heftige Detonationen wahrgenommen, die auf ein Luftbombardement hindeuten. Kurz darauf kehren alliierte Flugzeuge aus der gleichen Richtung zurück.

Um 14:37 Uhr erscheinen über dem Tüllinger Hügel vier weitere alliierte Flugzeuge, die von deutscher Flak aus dem vorderen Wiesental beschossen werden. Zwischen 14:40 und 15:10 Uhr feuert französische Artillerie mehrere Nebelgranaten in Richtung der Felsen des Isteiner Klotzes. Die Granaten hinterlassen schneeweisse Rauchpilze, die die Felder für kurze Zeit vollständig einhüllen. Der Wind vertreibt den Rauch jedoch rasch.

Vom badischen Ufer sind darüber hinaus Maschinengewehrsalven zu hören, die in Richtung Hüningen abgefeuert werden.

Der Brunnen an der Kerngasse in Haltingen hat die Zerstörung nahezu unbeschadet überstanden und ist, abgesehen von wenigen Ausnahmen, der einzige Zeitzeuge in der Strasse Foto Postkarte Friedrich Gütermann Lörrach /Baden - Kolorierung Patrick Schlenker 

Brunnen an der Kerngasse in Haltingen heute. Ein stummer Zeuge mehrer Kriege in der Region mit entsprechenden Beschädigungen durch Beschuss

Dank der Hüninger an ihre Nachbarn in Basel

Aus der National Zeitung: Für die einzigartige Anteilnahme und die hochherzige, liebevolle Unterstützung seitens der gastfreundlichen und verständnisvollen Basler Bevölkerung entbieten die schwergeprüften Hüninger Flüchtlinge ihren lieben und sympathischen schweizerischen Nachbarn den tiefempfundensten, herzlichsten Dank nebst einem kräftigen „Vergelt’s Gott“.

Ein dankbarer Flüchtling aus Hüningen, im Namen vieler: Diesen Dank übermitteln wir insbesondere an die hochwohllöbliche städtische Behörde, an das rührige Rote Kreuz, an die wohllöbliche Presse, an den schweizerischen Rundfunk, an das Bürgerspital, das Altersheim und sonstige Institutionen, den Elsässer Verein, das Elsässer Theater, den Arbeiter-Musikverein und sonstige Gesellschaften und Genossenschaften, sowie an die gesamte hochherzige und gastfreundliche Bevölkerung Basels. Sie alle haben uns Flüchtlingen in der Stunde der schwersten Prüfung und grössten Gefahr durch ihre edle, hilfreiche Geste unsägliche und wohltuende Freude gespendet. Dies hat uns in unserer zerrütteten geistigen und moralischen Verfassung wieder Hoffnung, Mut und Selbstvertrauen eingeflösst. Nie werden wir Hüninger Flüchtlinge diesen uns erwiesenen edlen Samariterdienst sowie dieses prächtige Werk menschlicher Anteilnahme vergessen: Wir werden unseren hilfreichen Basler Nachbarn ewig dankbar sein. Möge die göttliche Vorsehung gerade in der gefährlichsten aller Zeiten Einsicht mit der rührigen Stadt und Bevölkerung Basels walten lassen und sie unbehelligt, glücklich und in Frieden von diesem grausigen Toben und Ringen um Basels Mauern unberührt, heil und verschont bewahren.

Territorial-Kommando

Aus den Berichten der Schweizer Armee:

06:45 Uhr: Schweres Artilleriefeuer Richtung Hardt.

Mittags aufflammende Gefechtstätigkeit.

16:10 Uhr: FFI-Offizier auf KP. FFI möchte die verwundeten französischen Soldaten im Bürgerspital Basel versorgen lassen. Wird nach Rücksprache mit Hptm. Gerster bewilligt.

14:37 - 15:10 Uhr: Fliegeralarm.

In den Abendstunden vereinzelt Artilleriefeuer.

Flüchtlingslager MUBA:

  • MUBA: 1180 Personen
  • Privat aufgenommen: 996 Personen
  • Bestand: 2.176

 

Das alte Bürgerspital Basel zwischen Hebel- und Spitalstrasse - In diesen Gebäuden wurden auch schon im 1. Weltkrieg Soldaten Kriegsführender Parteien behandelt.

Links: Seite Hebelstrasse. Das Gebäude steht heute noch - Foto Staatsarchiv Basel BSL 1012 535 - Alfred Kugler - Kolorierung Patrick Schlenker

Rechts: Seite Spitalstrasse 1/3 - Heute steht dort das Klinikum 1. welches ab 1939 erbaut wurde  - Foto Staatsarchiv Basel NEG 6006 - Fotoarchiv Wolf - Kolorierung Patrick Schlenker

Aktuell im Kino Palace

Untere Rebgasse 10 / Basel

Der Film "El Alamein" (englisch Desert Victory) stellt die beiden Schlachten als zentrale Wendepunkte im Krieg gegen das nationalsozialistische Deutschland dar. Dabei greift er nicht nur auf britisches Filmmaterial zurück, sondern nutzt auch erbeutete Aufnahmen der deutschen Wehrmacht, um die deutsche Kriegsführung und militärischen Strategien zu veranschaulichen. Gleichzeitig erfüllt der Film eine propagandistische Funktion, indem er die Leistungen der Soldaten der British Army und der Arbeiter in der Rüstungsindustrie glorifiziert. Letztere hebt er als entscheidende Faktoren für den Sieg in den Schlachten hervor.

Für seine beeindruckende Umsetzung erhält der Film bei der Oscarverleihung 1944 den Oscar für den besten Dokumentarfilm.

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