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12. Dezember 1944

Thann befreit

Ein deutscher Sender meldet: Stadt Thann im südlichen Elsass, westlich von Mülhausen ist geräumt worden.

Gegen 16:00 Uhr starten die alliierten Bomberverbände schwere Angriffsoperationen gegen Müllheim, die Umgebung von Neuenburg und das badische Hinterland. Nachdem die Bombenangriffe abgeschlossen sind, kehren die Bomberverbände auf ihrem Rückflug zurück, als die französische Artillerie im Raum von Blossheim bis Sierenz die Beschiessung des rechtsrheinischen Ufers und des badischen Vorgeländes erneut aufnimmt.

Der Artilleriebeschuss richtet sich zunächst gegen Eimeldingen, Kirchen und Efringen. Danach nehmen die französischen Geschütze überraschend Ziele auf dem Hügelrücken des Isteiner Kloves unter Feuer. Schliesslich schleudern sie ihre Granaten auch weiter nördlich in die Gegend von Schliengen. Währenddessen feuern Minenwerfer auf Friedlingen und das dichtbewaldete Gebiet bei Märkt. Wie bereits im Sommer 1940 sind von beiden Seiten des Rheins, von Hüningen und Friedlingen stromabwärts, Maschinengewehre auf jede verdächtige Bewegung gerichtet. Erst mit Einbruch der Dämmerung lässt die gegenseitige Aktivität nach.

„Unternehmen Habicht“ 

Am frühen Morgen starten die deutschen Truppen ihren Angriff. Die Einheiten bestehen grösstenteils aus unerfahrenen Soldaten, darunter junge Rekruten und schlecht ausgebildete Luftwaffensoldaten, die erst vor kurzem zu Infanteristen umgeschult wurden. Die Angriffskräfte sollen einen Zangenangriff von Schlettstadt und südlich von Ribeauvillé ausführen, um die Alliierten von den Vogesen zurückzudrängen und neue Verteidigungslinien auf den Höhen zu errichten.

Die Truppen, darunter das Regiment Reimer und das Regiment Ayrer, stehen vor schwierigen Bedingungen. In der Nacht kämpfen sich die Soldaten durch aufgeweichten Boden und steiles Gelände. Viele sind bereits durch die Ausrüstung, die sie tragen müssen, erschöpft. Erste Einheiten erreichen die Ausgangsstellungen zu spät, wodurch die Koordination verloren geht.

Mit Tagesanbruch beginnt der Angriff. Die deutschen Truppen stossen bei Kaysersberg und Riquewihr sofort auf massiven Widerstand. Die US-amerikanischen Verteidiger sind gut vorbereitet und nutzen ihre überlegene Artillerie sowie Maschinengewehrstellungen effektiv. Der Angriff bleibt an mehreren Fronten liegen. Soldaten, die in die Wälder zurückweichen, berichten von Chaos: Nachrichtenverbindungen fehlen, und es gibt keine klare Führung vor Ort.

Im Nordelsass nähern sich die Amerikaner der Maginot- und Siegfriedlinie

Der grösste Fortschritt des Tages wurde im südlichen Abschnitt der Westfront durch die Truppen der amerikanischen 7. Armee erzielt. Nach der Einnahme von Hagenau stiessen die amerikanischen Einheiten in schnellem Tempo weiter nach Nordosten vor. Die Spitzenverbände erreichten eine Position, die nur noch acht Kilometer vom Rheinentfernt liegt, direkt gegenüber von Karlsruhe.

Unterdessen sind die Truppen General Patchs durch den grossen Hagenauer Wald ausgeschwärmt. Bei ihrer grossangelegten Bewegung nach Norden, in Richtung der deutschen Grenze, konnte die Frontlinie um etwa acht Kilometer vorverlegt werden. In diesem Gebiet befinden sich die veralteten Verteidigungsanlagen der Maginot-Linie, deren Forts hier grösstenteils überflutet sind. Von den wenigen noch funktionstüchtigen Geschützen der Linie kann lediglich eines Feuer gegen die anrückenden Amerikaner eröffnen.

Die Deutschen versuchen bei Rheinau, etwa 14 Kilometer südwestlich von Erstein, eine grosse Streitmacht über den Rhein zu bringen. Diese Offensive hat jedoch keinen Erfolg, da die alliierten Truppen die Angriffe abwehren können. Es ist jedoch offensichtlich, dass das deutsche Oberkommando weiterhin darauf abzielt, mit weiteren Gegenangriffen die alliierten Streitkräfte im Elsass zu binden und die Truppenbewegungen der 7. US-Armee, die sich in Richtung Karlsruhe und Mannheim bewegen, nach Süden abzulenken. 

Hüninger Flüchtlinge verlassen Basel

Nachdem in den letzten Tagen sämtliche elsässische Flüchtlinge aus Burgfelden und St. Louis nach einem dreiwöchigen Aufenthalt wieder den gastlichen Schweizerboden verlassen haben, kehrt auch bereits ein Grossteil der männlichen Bewohner von Hüningen wieder über die Grenze zurück. Voraussichtlich werden in den nächsten Tagen auch die übrigen Flüchtlinge aus Hüningen, die bisher noch in Basel verblieben sind, die Mustermesse verlassen. Da der Stadtteil Hüningens jedoch noch im Frontbereich liegt, kehren sie vorerst nicht dorthin zurück, sondern nehmen bis auf Weiteres in einer gesicherten Gegend in unmittelbarer Nähe jenseits der Schweizergrenze Unterkunft.

Als vor vierzehn Tagen der Flüchtlingsstrom aus Hüningen über die Grenze kam, wurde auch der 64-jährige Bauunternehmer Alphonse Litzler-Gasser aus Hüningen, der wie bereits gemeldet wurde, schwer verletzt aus seinem durch französische Artillerie zerstörten Einfamilienhaus an der Rue de Sierentz zusammen mit seiner Familie geborgen wurde, in spitalärztliche Behandlung nach Basel überführt. Alphonse Litzler ist seinen schweren Verletzungen erlegen. Gemäss einer letztwilligen Verfügung wurden seine sterblichen Überreste zur Bestattung nach St. Louis überführt.

Territorial-Kommando

Aus den Berichten der Schweizer Armee:

09:00 Uhr: Regimentsarzt Ludwig lädt zu einer Besprechung ein.

10:05 Uhr: Herr Hoffmann von der SBB Basel meldet, dass geplant ist, einige in St. Louis stationierte Eisenbahnwagen mit einer Rangierlokomotive aus dem Gebiet zu bergen und in die Schweiz zu bringen. Die Aktion wird bewilligt.

13:22 Uhr – 17:04 Uhr: Fliegeralarm.

15:00 Uhr: Besprechung mit Regimentsarzt Ludwig zum Thema „Soldatenweihnacht“.

Flüchtlingslbestand Basel

  • MUBA: 1022 Personen
  • In Heimen: 86
  • In Basel privat untergebracht: 1320
  • Total: 2428

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