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13. Dezember 1944

Fortschritte der Alliierten im Elsass

Das Hauptquartier von General Eisenhower meldet:  

Nördlich und nordöstlich von Hagenau säubern die Truppen systematisch den nordelsässischen Grenzstreifen. An der östlichen Flanke der Angriffsfront, die sich von Niederbronn bis zum Rhein erstreckt, erreichen sie am Dienstagabend Selz, ein bedeutendes Verkehrszentrum. Dort entbrennt eine heftige Strassenschlacht. Mit diesem Vorstoss durchbrechen die Amerikaner auf breiter Front die deutsche Verteidigungslinie zwischen Hagenau und Bischweiler, was den endgültigen Zusammenbruch der Maginot-Linie einleitet. Die Truppen stehen jetzt in Selz, nur 1,5 Kilometer vom Rhein entfernt, und nähern sich der strategisch wichtigen Brücke nach Karlsruhe.

Die Deutschen leisten kaum Widerstand. Der Mangel an Geschützen und Truppen hindert sie daran, die Maginot-Linie zu verteidigen. Es wird erwartet, dass General Patch bald die gesamte Stellung entlang der Pfälzer Grenze einnimmt.

General Leclerc, der Kommandant der 2. französischen Panzerdivision, in der befreiten Stadt Strassburg empfangen. Diese Stadt hat eine strategische Bedeutung für die französischen Truppen, die sich nun dem weiteren Vorstoss durch das Elsass nähern. Die Einnahme Strassburgs durch die Alliierten trägt massgeblich zur Schwächung der deutschen Verteidigung im Elsass bei.

Überraschender Durchbruch bei Hagenau

Die schnelle Ausnutzung des Durchbruchs bei Hagenau trifft die Deutschen völlig unvorbereitet. Das Hauptquartier von General Patch besitzt Beweise, dass die Deutschen gehofft hatten, von den Vogesen bis Hagenau eine feste Winterverteidigungslinie zu errichten. Stattdessen ziehen sie sich nun auf den Westwall zurück. Bereits 15.000 ausländische Arbeiter werden in die Pfalz geschickt, um die vernachlässigten Befestigungen zu reparieren. Doch durch die Zerstörung der Nachschublinien infolge alliierter Luftangriffe gestaltet sich diese Aufgabe äusserst schwierig.

Erfolge an der Weissenburger Pforte

Der linke Flügel der 7. Armee erzielt nordwestlich des Hagenauer Forsts ebenfalls schnelle Fortschritte. Nach der Einnahme von Reichshofen und Fröschweiler erobern die Truppen auf den historischen Schlachtfeldern des Deutsch-Französischen Krieges von 1870/71 mehrere Kilometer in Richtung der Weissenburger Pforte.

Im Zentrum der Front rückt eine andere Kolonne entlang der Bahnstrecke Hagenau–Weissenburg vor. Nach der Besetzung von Walburg und Dürrenbach nähern sich die Truppen Sulz und beginnen den Endkampf um die letzten deutschen Stellungen der Maginot-Linie.

„Unternehmen Habicht“ 

Die deutschen Truppen setzen ihre Bemühungen fort, die alliierten Stellungen bei Kaysersberg und Riquewihr zu durchbrechen. Besonders der Mont de Sigolsheim wird zu einem Schwerpunkt des Angriffs. Das Regiment Ayrer versucht, diesen strategisch wichtigen Hügel einzunehmen, scheitert jedoch unter schwerem Granaten- und Maschinengewehrfeuer. Viele Soldaten fallen oder werden schwer verwundet, bevor sie überhaupt die Stellungen der Alliierten erreichen.

In Riquewihr dringen kleinere Gruppen deutscher Soldaten in die Strassen des Ortes vor. Häuserkämpfe entbrennen, doch die alliierten Truppen nutzen ihre höhere Kampfkraft, um die deutschen Einheiten zurückzudrängen. In der Zwischenzeit setzt die US-amerikanische Artillerie den deutschen Nachschubkolonnen erheblich zu, wodurch Munition und medizinische Versorgung knapp werden.

Deutsche Zeitzeugen berichten von der hoffnungslosen Lage. Einheiten werden in Waldgebieten isoliert, während alliierte Flugzeuge die deutschen Stellungen beobachten und gezielte Angriffe durchführen. Viele Soldaten fühlen sich als "Kanonenfutter" eingesetzt und sehen keinen Sinn in der Offensive.

Der Krieg in der Nachbarschaft: Friedlingen bei Basel unter Minenbeschuss

Kurz nach 10:00 Uhr vormittags explodiert ein Minenwerfergeschoss in unmittelbarer Nähe des Hafens II der Kleinhüninger Anlagen, sodass die Splitter auch auf Schweizer Boden fallen. Etwas später nimmt ein französischer Maschinengewehr-Posten, der sich in einem der früheren Rheinbunker oberhalb des Hanaleinganges und direkt vis-à-vis dem Albbruckquai festgesetzt hat, das Areal der Färberei & Appretur Schusterinsel GmbH auf der Schusterinsel unter Feuer. Die Färberei gehört der Schweizer Familie Joseph Schetty Söhne in Weil. Die Schweizer Veredelungsindustrie drängte Ende des 19. Jahrhunderts wegen der verkehrsgünstigen Grenzlage und der guten Eisenbahnanbindung auf den deutschen Markt. Joseph Schetty war Gründer der Berufsfeuerwehr Basel 1882 und der erste Kommandat dieser. 

Gleich zu Beginn des Nachmittags setzen die Franzosen ihren Minenwerferbeschuss auf das genannte Gebiet fort. Offenbar aufgrund unrichtiger Zielvisierung explodieren nach 14:00 Uhr in kurzen Abständen neun Minenwerfergeschosse zwischen den Lagerräumen am Hafenbecken II und dem Zollamt an der Hiltalingerstrasse auf Schweizer Boden. Glücklicherweise fallen die Geschosse in Gärten und auf freies Gelände und verursachen keinen nennenswerten Schaden.

Später scheint den Franzosen der Fehler bewusst zu werden, und die Beschiessung des Schweizer Gebiets wird sofort eingestellt.

Am gesamten Nachmittag entwickelten die Franzosen vom linken Rheinufer unterhalb Basels eine rege Aktivität und beschiessen mit schweren Infanteriewaffen abwechselnd das Hafengebiet von Weil am Rhein, ein dortiges Barackenlager, die Strasse Friedlingen - Weil-Leopoldshöhe sowie das Areal der Schusterinsel. Dabei setzen sie Minen und Nebelgranaten ein.

Grenzgespräche strengstens verboten!

Als die deutschen Grenzsicherungseinheiten vor etwas mehr als drei Wochen ihre Posten an den elsässisch-schweizerischen Grenzübergangsstellen in aller Eile verliessen, nutzten viele Bewohner der elsässischen Nachbarorte die allgemeine Verwirrung, um sich mit ihren in Basel oder der schweizerischen Grenzregion lebenden Angehörigen, Freunden und Bekannten ungehindert „über den Zaun“ aussprechen zu können. Tagelang duldet das Grenzwachtkommando diese Gespräche aus verständlicher Rücksichtnahme. Einige Personen gelingt es sogar, heimlich Besuche in Hüningen, St. Louis oder Burgfelden zu machen. Als jedoch die kriegerischen Ereignisse nahe der Landesgrenze eskalieren, sieht sich das Kommando der Stadtwachttruppen aus militärischen Gründen gezwungen, eine erweiterte Sperrzone zu schaffen. Das Betreten dieser Zone ist nur mit speziellen Ausweisen erlaubt, wodurch Unterhaltungen über den Stacheldraht bereits mit Schwierigkeiten verbunden sind. Trotzdem erlaubt das Grenzwachtkorps solche Gespräche immer noch, wenn sie gesehen werden.

Mit einem Schlag verschärfen sich jedoch die Grenzverhältnisse: Französische Zöllner und vor allem die „Sécurité militaire“ erscheinen an den Grenzübergangsstellen, halten alle Unbefugten fern und verbieten strikt jegliche Gespräche. Diese Massnahme wird mit militärischen Gründen begründet, wie bei einer kürzlichen Konferenz zwischen den zuständigen Stellen auf beiden Seiten der Grenze betont wurde. Seitdem sind Gespräche an der Grenze vollständig untersagt, und alle, die gegen diese strengen Anordnungen verstossen, müssen mit einer sofortigen Umsiedlung rechnen.

In letzter Zeit haben immer wieder Menschen versucht, bei den zuständigen Behörden wie dem französischen Konsulat oder der Grenzwachtbewilligungen zu erhalten, um Gespräche an der Grenze zu führen. Diese Behörden sind jedoch nicht befugt, solche Erlaubnisse zu erteilen, was häufig zu Missverständnissen und Beschwerden führt. Heute ist allein die Grenzpolizei im „Lohnhof“ zuständig und erteilt Bewilligungen nur in dringenden Fällen wie bei zwingenden geschäftlichen Besprechungen oder im Falle eines Todes. Dies geschieht jedoch nur im Einverständnis mit den zuständigen französischen Amtsstellen.

Territorial-Kommando

Aus den Berichten der Schweizer Armee:

03:57 - 04:26 Uhr: Fliegeralarm.

08:15 Uhr: Rapport der MUBA mit dem Kommandanten und dem Flüchtlingsoffizier.

16:00 Uhr: Bericht zur gestrigen Sitzung mit Rgt. Arzt Ludwig.

16:45 Uhr: Mj. Scheidegger organisiert in der nächsten Zeit, jeweils mittwochs, eine Ausbildung für die FHD mit dem Roten Kreuz und der Kinderhilfe zur Flüchtlingsbetreuung.

Kdt. Dr. Ludwig und Mj. Debrunner fahren nach Hüningen.

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