16. Dezember 1944
Unklare Situation im Elsass
Die militärische Lage im Elsass ist weiterhin von Unsicherheit geprägt. Ein regelrechter Stellungskrieg hat sich entwickelt, in dem die Frontverläufe nur in kleinen Schritten verschoben werden. An einigen Stellen erzielen die amerikanischen Truppen lediglich wenige Meter Geländegewinne, während sie in anderen Bereichen komplett zum Stillstand kommen. Diese stagnierende Entwicklung wird durch den Einsatz deutscher Truppen sowie der Luftstreitkräfte der Alliierten zusätzlich erschwert.
Die jüngsten Gegenangriffe deutscher Truppen im Bereich der "Colmar Tasche“ haben zu erheblichen Störungen der französischen Nachschubwege geführt. Besonders betroffen ist die wichtige Strasse von Belfort nach Mülhausen, die einen wesentlichen Versorgungsweg für die Erste Französische Armee darstellt. Es ist derzeit unklar, ob die französischen und amerikanischen Streitkräfte den deutschen Vorstoss bereits erfolgreich zurückgeschlagen haben.
In der Zwischenzeit intensiviert sich die Artillerieaktivität auf beiden Seiten. Die französische Artillerie, die nach der Zerstörung des deutschen Brückenkopfs bei Kembs ruhte, beginnt erneut mit gezielten Schüssen auf die Gebiete von Mülhausen und Altkirch. Kurz darauf eröffnet auch die deutsche Artillerie aus dem Raum Mülhausen eine schwere Beschiessung elsässischen Gebiets. Die Intensität dieser Feuergefechte verschärft die ohnehin angespannten Frontverhältnisse.
An der Grenze zur Schweiz wird die Lage durch wiederholte Granateneinschläge und Minenangriffe weiter destabilisiert. In den umliegenden Ortschaften bleiben die Fronten angespannt, da die französischen und amerikanischen Truppen weiterhin mit starken deutschen Gegenangriffen konfrontiert sind.
Alliierter Gegenangriff
Das Oberkommando der Alliierten meldet: Die Truppen der Ersten Französischen Armee haben einen erfolgreichen Gegenangriff gestartet. Diese Offensive richtet sich gegen die deutschen Truppen, die sich Tags zuvor aus der Tasche von Colmar ausgebrochen sind und vorübergehend zwei wichtige Nachschubstrassen der Alliierten im Nord- und Südteil der Region bedroht haben. Die französischen Truppen haben die deutschen Kräfte zurückgedrängt und die Kontrolle über die Höhen wiedergewonnen, die diese Strassen beherrschten. Der deutsche Vorstoss, der zunächst mit einigen Erfolgen begann, verliert zunehmend an Kraft. Nachdem die Alliierten ihre Versorgungslinien verteidigen konnten, haben die französischen und amerikanischen Truppen den deutschen Angriff gestoppt und sind selbst wieder in die Offensive gegangen. Sie dringen weiter vor und haben die Initiative zurückgewonnen.
Die deutsche Kriegsführung in dieser Region erweist sich als zunehmend ineffektiv. Die Alliierten haben die Oberhand gewonnen und setzen ihren Vorstoss fort, während die deutschen Truppen in ihren Stellungen verbleiben. Es wird vermutet, dass die Deutschen ihre Kräfte für einen möglichen Angriff auf die Siegfriedlinie schonen. Allerdings stehen sie einem massiven Widerstand gegenüber, da die Alliierten Truppen in der Region von Holland bis zur Schweizer Grenze die Überlegenheit behalten.
Tatsachenbericht aus dem grenznahen Deutschland
Die Luftangriffe und die daraus resultierenden Zerstörungen, die immer schlechter werdenden Wohnverhältnisse und die ständigen Evakuierungen haben zwar die gewohnte Weihnachtsstimmung in Deutschland stark beeinträchtigt, aber sie haben sie nicht vollständig verdrängt. Trotz der Entbehrungen und der kriegsbedingten Einschränkungen bleibt der Wille der Bevölkerung, sich auf Weihnachten vorzubereiten, ungebrochen.
Mit bemerkenswerter Ausdauer versuchen die Deutschen, das Beste aus der Situation zu machen. Viele Menschen, die durch den Krieg stark belastet sind, nehmen sich trotzdem die Zeit, um Geschenke zu organisieren. Inmitten des Chaos widmen sie Stunden ihrer ohnehin schon knappen Freizeit den Vorbereitungen für das Fest. Tauschgeschäfte auf dem Schwarzmarkt, das Basteln von Geschenken und das Organisieren in Tauschzentren sind gängige Methoden geworden, um wenigstens kleine Geschenke zu besorgen.
In den Tauschzentren, die inzwischen in jeder grösseren Stadt zu finden sind, gibt es eine bunte Mischung von Waren – von gebrauchten Möbeln und Kleidungsstücken bis hin zu Musikinstrumenten und alten Haushaltsgeräten. Der Tauschhandel ist mittlerweile zu einer Notwendigkeit geworden, da die üblichen Geschäfte kaum noch zugänglich sind. Manchmal entdeckt man sogar ein Schmuckstück oder eine alte Schreibmaschine, was in der heutigen Zeit ein wahres Fundstück ist. Die Dinge mögen alt und abgenutzt sein, aber angesichts der kriegsbedingten Mangelwirtschaft schätzen die Menschen diese Tauschgeschäfte mehr denn je.
Viele Deutschen nehmen diese einfachen, doch bedeutsamen Geschenke mit der gleichen Freude entgegen, wie man es einst mit den kostbaren Geschenken aus den Juweliergeschäften getan hätte. Auch wenn der Glanz vergangener Zeiten fehlt, bleibt die Hoffnung und der Wille, Weihnachten zu feiern, stark – als Symbol für den Widerstand gegen die widrigen Umstände des Krieges.
Ardennenoffensive geginnt
Die deutsche Ardennenoffensive, bei der im Morgengrauen 14 Infanterie-Divisionen und Panzer-Divisionen gegen nur vier US-Divisionen auf einer 100 km breiten Front vorrücken beginnt. Unterstützt von V-1-Geschossen überraschen die deutschen Truppen die US-Stellungen. Die US-Armee kann ihre überdehnte Front nicht halten und muss sich zurückziehen, wobei sie Waffen und Material zurücklässt. Die Offensive hat einfluss auf den weiteren Verlauf der Kämpfe im Elsass.
Aufruf an die baselstädtische Bevölkerung
Helft unseren elsässischen Grenznachbarn!
Hilfe für unsere Grenznachbarn gehört zu den ältesten und schönsten Traditionen unserer Stadt. Schon zur Zeit der Schlacht bei St. Jakob gewährte Basel den vom Kriegsgeschehen heimgesuchten Sundgauern Obdach und Hilfe. Von solcher Hilfe zeugt auch, weithin sichtbar, das Strassburger Denkmal auf dem Centralbahnplatz.
Heute sind die Elsässer wiederum vom Kriegsleid betroffen. Der Kanonendonner erinnert uns ständig an das, was unsere armen Grenznachbarn durchzumachen haben. Er mahnt uns aber auch an die Pflichten der durch ein glückliches Geschick Verschonten. Die Elsässer waren immer unsere guten Nachbarn, mit denen wir die besten Beziehungen gepflegt haben.
Gebt rasch und reichlich!
Die Not ist gross und erfordert dringend raschmöglichste Hilfe. Die Sammlung stellt eine Teilaktion der später einsetzenden Kollekte der Schweizerspende dar. Jeder Beitrag wird demgemäss als Teilleistung an die Schweizerspende betrachtet. Eine enge Zusammenarbeit des unterzeichneten Hilfskomitees (Postcheckkonto V 4117) mit der Aktion beider Basel der Schweizerspende und der Geschäftsstelle der Schweizerspende verbürgt eine wirksame Hilfe und eine gerechte Verteilung der eintreffenden Geldspenden.
Wir müssen helfen!
Im Namen des Basler Hilfskomitees für Mülhausen und Umgebung
(unter dem Patronat der Schweizerspende):
Regierungsrat Prof. Dr. C. Ludwig, Präsident
Basel
Um 05:00 Uhr inder Früh kommt es zu einem weiteren Schaden durch fremdländische Truppen am Nordquai 75, dem Gebäude des Rheinschiffahrtsamt des Kantons Basel-Stadt.
Territorial-Kommando
Aus den Berichten der Schweizer Armee:
05:45 - 06:45 Uhr: Inspektion der Küche und K3 des Ter. Kdo.
08:15 Uhr: Besprechung mit Feldprediger betreffend Soldatenweihnacht vom 20.12.44.
09:45 - 11:30 Uhr: Kdt auf KP.
10:00 - 10:30 Uhr: Platz-Kdt. auf KP.
10:45 Uhr: Kommission für die Flüchtlinge trifft in Basel ein.
11:02 - 12:07 Uhr: Fliegeralarm. 19 Flugzeuge vom Westen her über der Stadt.
15:10 - 16:30 Uhr: Fliegeralarm. 20 Flugzeuge über Basel, Weil, Effringen und Kembs. Schweres Artilleriefeuer aus Altkirch.
16:00 Uhr: Maj. Scheidegger besichtigt die Sanitätsstation der Gemeinde Allschwil in Neu-Allschwil. Sehr gut ausgestattete Station.
