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17. Dezember 1944

Schwere Artillerieduelle im Elsass und Luftangriffe

In der Nacht zum Sonntag werden viele Bewohner Basels durch heftiges Artilleriefeuer aus dem Schlaf gerissen. Zwischen 00:25 und 00:30 Uhr beschiessen deutsche Batterien – soweit dies in der Dunkelheit feststellbar ist – das linke Rheinufer auf der Höhe von Neudorf. Die Franzosen antworten etwa eine Stunde später mit einem konzentrierten Feuerschlag auf die Gegend zwischen dem Stauwehr und Istein. Die Mündungsfeuer sind im Hügelgelände zwischen Blotzheim und Bartenheim zu sehen. Die Einschläge verteilen sich auf verschiedene Stellen des genannten Gebietsstreifens. Nach zwölf Minuten verstummen die Geschütze plötzlich, und es ist nur noch, wie bereits zuvor, das gelegentliche Rattern einzelner Maschinengewehre am Rheinufer zu hören.

Die deutsche Artillerie antwortet und auch Minenwerfer kommen zum Einsatz. Auf beiden Seiten des Rheins sind Maschinengewehrsalven zu hören. Gegen 02:30 Uhr kehrt für eine Weile Ruhe ein, doch pünktlich um 08:00 Uhr setzt das Artilleriefeuer erneut ein. Auch am Nachmittag ist die französische Artillerie weiterhin aktiv und feuert auf verschiedene Ziele. Besonders in der Nähe von Mülhausen sind intensive Gefechte zu hören. Es scheint, dass die deutschen Truppen versuchen, vom Krieg gefährdete Gebiete schnell zu räumen. In der Umgebung von Basel sind während des gesamten Sonntagnachmittags lange Kolonnen von Pferdefuhrwerken zu beobachten, die mit Hausrat beladen sind, während sich die Zivilbevölkerung und Soldaten aus den gefährdeten Gebieten zurückziehen.

Gleichzeitig rollen militärische Lastwagen, die aus der „Burgunder Pforte“ kommen, in Richtung der Hauptstrassen im Elsass. Die Erste französische Armee scheint diese Bewegungen zu kontrollieren, vermutlich aufgrund der Notwendigkeit, den Nachschub umzuleiten.

Auch intensive Kämpfe auf der Strasse von Ditingen nach Leimen sind zu hören, bei denen vereinzelte deutsche Truppenteile versuchen, den französischen Nachschub zu stören. Trotz dieser vereinzelten Aktivitäten ist eine allgemeine Tendenz zum Rückzug der deutschen Truppen zu erkennen.

Später am Abend, um 22:03 Uhr, erschüttert eine gewaltige Explosion die Gegend um Weil am Rhein. Eine riesige Stichflamme geht auf, und der Luftdruck ist so stark, dass in Basel die Fenster klirren. An der Schulgasse 11 und an der Weiherhofstrasse 101 gehen Scheiben zu Bruch. 

Aktivität der Luftwaffe - Goldener Sonntag

In nur 24 Stunden kommt es heute an der Dreiländerecke zu sechs Fliegeralarmen. Der „Goldene Sonntag“ wird von einer bisher nie dagewesenen Aktivität der alliierten Luftwaffe überschattet, die das klare Dezemberwetter für Angriffe nutzt.

Kurz nach 07:00 Uhr überfliegt ein feindliches Flugzeug die Grenzregion bei Basel in west-östlicher Richtung, was in der badischen Nachbarschaft Fliegeralarm auslöst. Um 11:04 Uhr heulen auch in der nordschweizerischen Grenzregion die Sirenen, nachdem 19 Jagdbomber gesichtet worden sind. Wenig später sind schwere Detonationen im Norden zu hören, vermutlich das Resultat eines Luftangriffs. Eine Stunde später erscheinen zwei deutsche Aufklärungsflugzeuge im Raum Bartenheim-Blossheim und werden heftig beschossen. An der Johanniterstrasse 3 in Basel kommt es zu einem Gebäudeschaden durch herbfallende Granatsplitter.

Zur Mittagszeit überfliegt ein fremder Flugzeugverband mit zweimotorigen Bombern erneut das Grenzgebiet bei Basel. Es wird abermals Fliegeralarm ausgelöst, und unsere Fliegerabwehr tritt in Aktion. Auch hier gibt es auf dem Gebiet des Kantons Basel-Stadt mehrere gemeldete Schäden durch Granatensplitter und Flakblindgänger. Dies an der Delsbergerallee 65, Falkensteinerstrasse 48, Farnsburgerstrasse 41, Neuensteinerstrasse 19, Sisgaustrasse 2 und an der Zürcherstrasse 85. Personen kommen keine zu Schaden. 

Beim Überflug werfen die Flugzeuge Gegenstände ab, die sich mehrfach in der Luft überschlagen, bevor sie den Boden erreichen. Es handelt sich um leere Benzintanks, die für Langstreckenflüge mitgeführt werden. Einige Tanks schlagen in der Gustloff-Strasse in der Wohnkolonie Otterbach ein, andere landen in den Langen Erlen, in der Gegend von Münchenstein und im oberen Baselbiet.

Fotografie, Liestal, Flab-Stellung beim Bahnhof Liestal - Kulturgüterportal Baselland - Inventarnummer D2.1105 - Fotograf StrübinTheodor - Fliegerabwehrstellung beim Bahnhof Liestal. Zwei Wehrmänner eines Flab-Detachements, , posieren an ihrem Geschütz. Es handelt sich um eine 20mm Flab-Kanone Modell 1938, wie sie von der Eidgenössischen Waffenfabrik hergestellt wurde. Die Soldaten tragen eine Arbeitsbluse 1940.

Um 13:10 Uhr erscheint ein weiterer schneller Kampfverband von zehn Flugzeugen, der die elsässische und badische Grenzgegend überfliegt und im hinteren Wiesental verschwindet. Einige heftige Detonationen sind später aus nördlicher Richtung zu hören, die vermutlich von einem Luftangriff herrühren.

Am Nachmittag tauchen gegen 15:10 Uhr etwa 20 Thunderbolt-Jäger im Gebiet von Efringen und Kembs auf. Eine Stunde später erscheinen weitere sechs Thunderbolts im Raum Burgfelden-Kembs-Weil, ohne jedoch Angriffe zu fliegen.

Um 15:59 Uhr ertönen die Sirenen erneut. Wieder tauchen fremde Flugzeuge im Alarmbereich auf, aber nach 46 Minuten wird Entwarnung gegeben. Wie aus Rheinfelden gemeldet wird, liessen diese über Badisch-Rheinfelden eine Anzahl kleiner Fallschirme niedergehen. Da keiner dieser Fallschirme auf Schweizer Boden landete, ist unklar, ob daran Propagandamaterial oder etwas anderes befestigt war.

Nach 18:00 Uhr erscheint in der Gegend von Laufenburg ein weiteres mehrmotoriges Flugzeug, und um 18:14 Uhr wird erneut Alarmbereitschaft in Basel und der nordwestschweizerischen Grenzregion ausgelöst.

Für kurze Zeit kehrt Ruhe ein, doch um 20:40 Uhr ist die Stille vorbei. Ein grosser Kampfverband erscheint, begleitet von Jägern, und greift rheinaufwärts an. Die deutschen Scheinwerferbatterien suchen die Bomber, während schwere Flakgranaten in den Himmel geschossen werden. Trotz des intensiven Beschusses setzt der Verband seine Mission fort.

Die Nacht ist geprägt von metallischem Dröhnen und weiteren Angriffswellen, die für die Bevölkerung der Region eine kaum erträgliche Belastung darstellen.

Territorial-Kommando

Aus den Berichten der Schweizer Armee:

09:26 - 10:07 Uhr: Fliegeralarm – 18 Flugzeuge von Schaffhausen über Basel in Richtung Pruntruterzipfel.

10:00 Uhr: Besprechung mit General Guisan betreffend Soldatenweihnacht vom 21.12.44.

11:00 Uhr: Rapport.

12:02 - 14:34 Uhr: 15 US-Jäger über Kleinhüningen. 16 (Boston) Bomber im Vorbeiflug. Abwurf von Zusatztanks in den Langen Erlen. 

15:59 - 16:45 Uhr: Fliegeralarm.

18:14 - 19:07 Uhr: Fliegeralarm.

22:43 - 23:56 Uhr: Fliegeralarm – starke Verbände im Rückflug von Ost nach West. Deutsche und Schweizer Fliegerabwehr im Einsatz. Scheinwerferbatterien aktiviert. Leuchtspurregen über St. Louis. Durchflug von über 1000 Flugzeugen innerhalb von 1 ½ Stunden. Angriff vermutlich auf Wien. (Anmerkung des Autors: Der grösste Bombenangriff des Abends fand auf Ulm statt. Zwischen 19:23 und 19:50 Uhr wurde das alte Ulm von ca. 300 britischen Lancaster-Bombern dem Erdboden gleichgemacht. Seit dieser schicksalhaften Stunde war in Ulm nichts mehr wie vorher. Über 80 Prozent der Altstadt lagen in Schutt und Asche, mehr als 700 Kinder, Frauen und Männer fanden bei der schwersten Bombardierung Ulms im Laufe des Zweiten Weltkriegs den Tod.)

Lancaster Bomber - Postkarte "Flight" Photograph - Kolorierung Patrick Schlenker

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