18. Dezember 1944
Keine Evakuierung von grenznahen deutschen Städten
Eine freiwillige Evakuierung der badischen Grenzlandbevölkerung ist nicht vorgesehen. Nach allen bisherigen Beobachtungen müsste vielmehr damit gerechnet werden, dass ein Befehl zur Zwangsräumung von vielen Anwohnern nicht befolgt würde. Stattdessen wäre eine Flucht auf Schweizer Boden eine wahrscheinliche Reaktion der Bevölkerung, wie dies Wochen zuvor schon viele Elässer gemacht haben.
Die Volksstürmer haben jedoch die Pflicht, unter allen Umständen sicherzustellen, dass gegebenenfalls die gesamten Viehbestände der bedrohten Landgemeinden abgeführt werden können.
Deutsches Minenwerfer- und Artilleriefeuer auf Hüningen
Um 08:30 Uhr, beginnen deutsche Minenwerfer im Raum Friedlingen-Weil am Rhein mit der Beschiessung von Hüningen. Während einer Viertelstunde gerät der Turm der protestantischen Kirche unter anhaltendes Feuer, wobei Granaten links und rechts des Gebäudes einschlagen. Um 09:25 Uhr wurde der Kirchturm getroffen.
Nachdem das Minenwerferfeuer auf erhöhten Punkten in Hüningen, die eine Sicht auf die deutschen Stellungen und Bewegungen in der badischen Rheinebene ermöglichen, nicht ausreichend Wirkung zeigt, wird zusätzlich Artillerie eingesetzt. Zuerst richtet sich das Feuer gegen den rund 25 Meter hohen Kamin der Färberei Hüningen. Trotz 29 schweren Treffern stürzt der Kamin nicht ein.
Daraufhin zielen die Geschütze auf die protestantische Kirche am Rheinufer, in der Nähe des Kanaleingangs. Nach einigen Fehlschüssen trifft um 09:25 Uhr eine Granate den Turm, reisst dessen rechte Seite auf und bringt die Turmuhr zum Stillstand. Weitere schwere Treffer treffen den oberen Teil des Kirchturms, doch dieser bleibt stehen und kann wahrscheinlich nicht mehr als Beobachtungspunkt genutzt werden.
Zum Ende der etwa fünfundvierzigminütigen Beschiessung nehmen die Deutschen auch den Turm der neuen Kirche sowie den Wasserturm nahe der Rue de St-Louis ins Visier. Beide Gebäude erleiden mehrere schwere Treffer.
Deutscher Gegenangriff im Elsass
Die Deutschen setzen ihren Gegenangriff im Elsass und in den Vogesen mit Nachdruck fort. Die französischen Truppen sehen sich gezwungen, weiteres Gelände aufzugeben. Südlich von Strassburg fällt das Dorf Diebolsheim, das etwa 16 Kilometer östlich von Schlettstadt liegt, in deutsche Hände. Nordwestlich von Colmar müssen zwei Dörfer und eine Anhöhe geräumt werden.
Gleichzeitig gelingt es den Alliierten, auf dem Col du Bonhomme um 1.600 Meter vorzurücken und Kaisersberg unter Kontrolle zu bringen.
Muhlouse weiterhin Frontstadt
Trotz der Besetzung der sundgauischen Industriestadt Mülhausen durch die Erste Französische Armee seit mehreren Monaten bleibt die Stadt ein umkämpftes Kriegsgebiet. Die Frontlinie verläuft immer noch bis nahe an den Stadtrand, und die Zivilbevölkerung leidet weiterhin unter schweren Angriffen. Täglich werden deutsche Geschütze vom Südrand der sogenannten „Tasche von Colmar“ in die Stadt abgefeuert, was die Bedingungen für die Bewohner extrem erschwert. Auch die angrenzenden Städte und Dörfer wie Luttenbach, Pfastatt und Illzach, die im direkten Bereich der deutschen Artillerie liegen, haben erheblich unter den Bombardierungen gelitten.
Obwohl die französischen Truppen Thann erobert haben, ist es ihnen bislang nicht gelungen, die deutschen Kräfte vollständig aus dem strategisch wichtigen St. Amarin Tal zu vertreiben. Sie halten nach wie vor die Kontrolle über Sennheim, und die Frontlinie zieht sich entlang des Flusses Thur, weiter in die Ebenen bis nach Othmarsheim. Die strategisch bedeutsamen Höhenzüge, wie das Bergebiet Moltenrain, Hartmannsweilertopf und der Grosse Belchen, bleiben ebenfalls unter deutscher Kontrolle. Von hier aus können die deutschen Truppen die Strassenverbindungen, wie die Thann-Sennheim-Mülhausen Strecke, sowie wichtige Übergänge über die Doller und die Zufahrtsstrasse von Belfort nach Mülhausen, weiterhin gezielt unter Feuer nehmen.
In den vergangenen zwei Wochen haben die deutschen Artilleriebeschüsse von Mülhausen an die 280 Todesopfer unter der Zivilbevölkerung gefordert. Auch wenn in der Nähe der Schweizer Grenze am Montagnachmittag eine vorübergehende Ruhe eingekehrt war, intensivierten die französischen Streitkräfte ihre Angriffe auf die deutschen Stellungen. Besonders die französische Artillerie verstärkte die Beschiessung der deutschen Vorposten, wobei auch die Stadt Mülhausen wieder ins Visier genommen wurde. Trotz der intensiven Kämpfe bleibt die Region ein zentrales Schlachtfeld, auf dem sich die Frontlinien ständig verschieben.
Territorial-Kommando
Aus den Berichten der Schweizer Armee:
04:50 - 05:18 Uhr: Fliegeralarm.
11:00 Uhr: Meldung: HD Bew. Kp 9 BS hat KP bezogen.
11:00 - 11:50 Uhr: Rapport von Major Glatt mit den Offizieren der HD Bew. Kp. 9 BS.
Einrückungsbestand HD Bew. Kp. 9 BS:
- 2 Offiziere
- 22 Unteroffiziere
- 146 Soldaten
Angabe der Bestandtruppen für die Weihnachtsgabe - Erfasst wurden die HD-Soldaten, die im Jahr 1944 insgesamt 200 Tage Dienst geleistet haben.
16:15 - 16:44 Uhr: Fliegeralarm.
16:40 Uhr: Die SBB meldet, dass um 16:48 ein Zug ohne weitere Angaben in Basel eintreffen wird. An Bord befinden sich 80–100 unbegleitete Kinder. Der Flüchtlings-Offizier und der Polizei-Offizier wurden alarmiert. Hauptmann von der Mühle ist bereits am Bahnhof und kümmert sich zusammen mit dem Roten Kreuz darum, dass die Kinder in Privatunterkünften untergebracht werden.
Flüchtlingskinder aus dem Elsass: Doppelporträt, zwei Mädchen in einem Tramwagen, mit Schildern um den Hals - Staatsarchiv Basel - BSL 1045i 1-3-1/8 - Foto Hoffmann, Basel - Kolorierung Patrick Schlenker
16:45 Uhr: Dr. Augustin erscheint auf dem KP. Es geht konkret um die Grenzübertrittsverordnung seitens der Schweizer Zöllner bezüglich Krankenbesuche im Sundgau. Major Debrunner erklärt auf Anfrage, dass er die Zollstellen Neuweiler und Allschwil II entsprechend informiert habe und Dr. Augustin die Grenze passieren dürfe.
Elsass – Ärztliche Hilfe im Sundgau
In verschiedenen Sundgaudörfern, darunter Neuweiler, Hagental und Volkensberg, äusserten Einwohner den Wunsch, dem Schweizer Arzt Dr. Augustin aus Allschwil für seine Betreuung von Patienten in diesem mit ärztlicher Hilfe nur spärlich versorgten Grenzgebiet zu danken.
Dr. Augustin setzt damit eine Tradition fort, die sein verstorbener Vater während eines halben Jahrhunderts aufgebaut hat. Besonders in der aktuellen Übergangszeit, die für die Sundgauer äusserst schwierig ist, leistet er eine unschätzbare Hilfe. Die sonst nächstgelegenen Ärzte aus St. Louis und Hüningen sind entweder unabkömmlich, abwesend oder stehen den westlich gelegenen Ortschaften gar nicht mehr zur Verfügung.
Dr. Augustin konnte durch seine rechtzeitigen und engagierten Einsätze mehrfach das Leben Schwererkrankter retten. Dies wurde uns von einem Vertreter des Roten Kreuzes bestätigt, das die Arbeit des Arztes nach Kräften durch die Beschaffung unverzichtbarer Medikamente unterstützt.
Gerne kommen wir dem Wunsch nach, Dr. Augustin in einer entsprechenden Pressenotiz unsere Anerkennung auszusprechen. Wir hoffen zudem, dass die verschärften Grenzsperren diese menschenfreundliche ärztliche Tätigkeit nicht behindern oder erschweren werden.

