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19. Dezember 1944

Deutschlands letztes Aufbäumen im Westen?

Über die Beweggründe der grossen deutschen Offensive im Westen berichtet der Berliner Korrespondent von Stockholms Tidningen Folgendes:

Für Beobachter sowohl innerhalb als auch ausserhalb Deutschlands stellt sich die Frage: Ist die deutsche Weihnachtsoffensive ein Akt der Verzweiflung oder ein ebenso kühner wie gut vorbereiteter Versuch, sich von der immer grösser werdenden Gefahr gegen das Eisen- und Kohlezentrum sowie die Kriegsindustrie im Ruhrgebiet zu befreien? Die zweite Erklärung scheint wahrscheinlicher.

Die Deutschen vertreten die Ansicht, dass es sich nicht lohnt, weiterhin passiv in Richtung Ruhrgebiet zu kämpfen. Frontal besitzen die Amerikaner die Übermacht, und die Deutschen haben zwischen Düren und Köln kaum mehr Aktionsraum. Wahrscheinlich sind die Alliierten an der Flanke und im Rücken angreifbarer als frontal. Das hängt damit zusammen, dass die zähe deutsche Verteidigung von Antwerpen und an der Schelde die Alliierten dazu zwingt, ihren Nachschub für die Armee nur provisorisch zu organisieren.

Alles hängt nun davon ab, ob die Deutschen über ausreichende Streitkräfte für eine echte operative Kraftprobe in jenem Abschnitt der Westfront verfügen, an dem die Alliierten für ihre nächste Grossoffensive aufmarschieren. Auf alliierter Seite vermutet man laut Berichten schwedischer Korrespondenten aus London und Washington, dass der deutsche Angriff darauf abzielt, einer grossangelegten Winteroffensive der Engländer und Amerikaner zuvorzukommen, damit diese nicht ihre volle Schlagkraft entfalten können.

Zu diesem Zweck setzen die Deutschen offenbar auch strategische Reserven ein. Alliierten Einschätzungen zufolge handelt es sich um den bislang grössten Kräfteeinsatz der Deutschen seit Beginn der alliierten Invasion in der Normandie. Die Presse zieht Vergleiche zur Ludendorff-Offensive von 1918, betont jedoch die Unterschiede: Während Ludendorff damals reale Siegeschancen hatte, stellt der aktuelle Vorstoss wohl den letzten gross angelegten Angriff dar, den das deutsche Oberkommando durchführen kann.

Foto - Panther Ausf. G – Der Houffalize-Panther - Der Panther mit der Turmnummer 111 (hier noch mit der falschen Nummer 401) war der 17. Panther dieses Typs, der die Werkstore der Daimler-Benz-Werke in Berlin verliess. Zunächst wurde er im Sommer 1944 im Panzerregiment 24 (I./Pz.Regt.24) in der Normandie eingesetzt und entkam Mitte August der Zerstörung im Kessel von Falaise. Im November 1944 wurde er dem Panzerregiment 16 (I./Pz.Regt.16) der 116. Panzerdivision zugeteilt. Zur Zerstörung des Panzers gibt es unterschiedliche Berichte. Eine Version besagt, dass der Fahrer beim Überqueren einer Brücke zu weit nach rechts fuhr und der Panther dadurch zur Seite kippte. Später wurde der Panzer als Denkmal für die Gefallenen in der Stadt Houffalize genutzt.

Alliierte Militärberater sehen die Offensive von Model zwar nicht als alarmierend an, erkennen aber die organisatorische Leistung der Deutschen an, die es Rundstedt ermöglicht, bereits vier Monate nach dem Zusammenbruch in Frankreich neue kampffähige Divisionen in grosser Anzahl bereitzustellen. Dennoch wird offen zugegeben, dass bedeutende deutsche Erfolge den Krieg verlängern und möglicherweise das ganze nächste Jahr andauern lassen könnten. Einige alliierte Beobachter halten es auch für möglich, dass diese Offensive der Auftakt zu einem deutschen Friedensvorstoss ist.

Auch St. Louis unter deutschem Geschützfeuer

Ähnlich wie am Gesternmorgen in Hüningen, als dort deutsche Geschosse einschlugen, geriet am späten Vormittag auch die Gegend um St. Louis, nahe der Schweizer Grenze, unter deutsches Geschützfeuer. Aufgrund der schlechten Wetterbedingungen konnte die genaue Wirkung des Beschusses jedoch nicht eindeutig beobachtet werden.

Am Dienstagvormittag, kurz vor 11:00 Uhr, tauchten in der grenznahen Region bei Bettingen fremde Flugzeuge auf. Dies führte dazu, dass um 10:56 Uhr in Basel sowie in den umliegenden, luftschutzbereiten Orten Fliegeralarm ausgelöst wurde. Der Alarm konnte jedoch nach 21 Minuten aufgehoben werden, da die fremden Flugzeuge weitergezogen waren. Es wurde festgestellt, dass sie das Grenzgebiet überflogen und sich in Richtung Kembs entfernt hatten.

Während der Dienstagmittagzeit wurden in der badischen Nachbarregion erneut Fliegeralarme ausgelöst. Um 14:17 Uhr heulten die Basler Sirenen erneut, nachdem einige fremde Flugzeuge erneut die Grenze überquerten und dann gegen Kembs verschwanden.

Zwangsräumung im oberbadischen Grenzgebiet

Im oberbadischen Grenzgebiet, das sich von Bruchsal bis Lörrach erstreckt, wurde, trotz anderlautenden Informationen der letzten Tage, die Zwangsräumung der Zivilbevölkerung eingeleitet. Der Abtransport erfolgt grösstenteils über Sonderzüge, wobei auch Güterwagen für die Rückführung durch das Höllental genutzt werden. Die evakuierten Bewohner werden in das Bodenseegebiet und nach Bayern gebracht. Im Grenzgebiet verbleiben dürfen nur Männer und Frauen mit kriegswichtigen Sonderaufgaben sowie Volkssturmmänner, die sich um die Versorgung der Viehbestände kümmern sollen.

Die NSDAP veröffentlichte einen dringenden Aufruf, wonach jeder verfügbare Raum für zurückgeführte Badenser freigemacht werden muss. Es gilt die Parole, dass Zusammenrücken um jeden Preis Vorrang hat. Diese Massnahme betrifft auch Angehörige der Wehrmacht aller Dienstgrade, die in Reserve-Stellungskommandos eingesetzt sind. Der Aufruf schliesst mit einer klaren Warnung: Funktionäre der NSDAP werden mit aller Härte durchgreifen, sollte ein Volksgenosse die Bereitstellung eines Quartiers verweigern. Auffällig ist, dass dieser wichtige Aufruf vom Gaupressedienst der NSDAP ohne Unterschrift veröffentlicht wurde – eine ungewöhnliche Abweichung, da solche Bekanntmachungen bislang üblicherweise von Gauleitern oder deren Stellvertretern unterzeichnet wurden.

Nachrichten aus Freiburg im Breisgau

Luftaufnahme des zerstörten Freiburg im Breisgau 1945 - Koloration Patrick Schlenker - Quellen Stadtarchiv Freiburg M 72 B 271 / USAAF National Archiv / The Nation Archiv GB

Ein Schweizer, der kürzlich aus Freiburg im Breisgau zurückkehrte, berichtete von den Auswirkungen der jüngsten Bombardierungen vom 27. November. Die Stadtteile Herdern und Stühlingen seien nahezu vollständig zerstört worden, während der Stadtteil Wiehre fast unversehrt blieb. Die Hauptbahn ist mittlerweile wieder in Betrieb, und die Höllentalbahn blieb unbeschädigt. Am Tag nach der Bombardierung spielten sich dennoch chaotische Szenen ab, da viele Menschen verzweifelt versuchten, die Stadt zu verlassen.

Der Münsterplatz wurde nahezu vollständig zerstört, mit Ausnahme des „Kaufhauses“. Die Universität wurde beschädigt, die Bibliothek blieb jedoch weitgehend unversehrt. Das Theater steht noch, ist allerdings ausgebrannt. Entgegen ersten Gerüchten, die von seinem Tod berichteten, überlebte Erzbischof Gröber den Angriff. Er veröffentlichte unmittelbar nach der Bombardierung ein Hirtenwort, in dem er erklärte, dass die Frage nach der Schuld für den Angriff der Geschichte überlassen werden solle.

Auslandschweizer Versorgung - Foto: Sie & Er Illustrierte Januar 1945 - Privatarchiv 

Die Versorgungslage in Freiburg hat sich mittlerweile stabilisiert, doch es mangelt weiterhin an Wasser, das die Bewohner vom Schlossberg holen müssen, wo gefasste Quellen zugänglich sind. Zur Abdichtung der beschädigten Häuser, deren Türen und Fenster meist fehlen, wird ein neues Material namens „Rollglas“ verwendet. Dieses Material besteht aus Draht und einer sogenannten Rodiomasse. Es ist biegsam und kann einfach an die Fensterrahmen angenagelt werden.

Trotz der Zerstörung sind die meisten Fabriken in der Region noch intakt. Darunter befindet sich auch eine grosse chemische Fabrik, die synthetische Stoffe und das erwähnte Rollglas herstellt.

Territorial-Kommando

Aus den Berichten der Schweizer Armee:

10:15 Uhr: Platzkommandant auf Kommando-Posten.

10:50–11:17 Uhr: Fliegeralarm.

14:10 Uhr: Meldung über das Einrücken von 47 Mann der HD Bewachungs Kp. 23.

14:18–14:48 Uhr: Fliegeralarm. Zahlreiche Flugzeuge über Basel Richtung Allschwil - Lörrach. 

Wenig Gefechtstätigkeit an der Grenze.

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